Feinde im Wald January 8th, 2006 Sport 1 Kommentar

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Sicher ein Spruch, der es locker in Schürs Top-5-Floskeln schaffen könnte. Und er stimmt auch nicht, wie folgende Geschichte beweist.

Ein sonniger Wintertag (in anderen Worten: heute) versprach bestes Wetter, um ein wenig Sport im Wald zu machen. In dieser Situation stellt sich mir immer die Frage, ob ich nur ein paar Schuhe oder gar ein ganzes Fahrrad zwischen mich und den Waldboden bringen soll. Ich entschied mich für letzteres, schnallte den Helm auf, zog die Jacke an und die Hosenbeine zu und begab mich auf die verschneiten Pisten der Dresdner Heide.

Nun ist zur Erklärung für außenstehende wichtig, die deutsche Grüßkultur zu verstehen. Hierzulande gibt es gewisse Orte, an denen man sich grüßt (Aufzug, Dorf, beim Betreten der Firma) und manche, an denen das tunlichst zu unterlassen ist (WC, Stadt, Dusche im Schwimmbad).

Im Wald (um wieder den Bogen zu kriegen) ist die Sache nicht so eindeutig geklärt: Gegrüßt wird hier streng nach einem hierarchischem System, wobei die unterschiedlichen Gattungen im Wald (Wanderer, Läufer, Fahrradfahrer, Walker) sich jeweils an der Spitze der Pyramide sehen und für sie unterwertige nicht grüßen. So kommt es, dass Läufer und Biker grußlos aneinander vorbeischwirren, während sich untereinander herzlich gegrüßt wird. Was herzlich in diesem Zusammenhang bedeutet, ist dehnbar: Biker nicken sich zu, Läufer heben die Hand (ähnlich wie Old Shatterhand in Winetou II) während Walker dank höherem Sauerstoffgehalt ihres Denkorgans ein ganzes »Tag« herausdrücken. Vielleicht ist das ja auch der Grund der Kommunikationsprobleme — zumindest werde ich, stets um die Völkerverständigung bemüht, durchgängig ignoriert, auch wenn ich die Identifikationsformen der unterschiedlichen Gruppen versuche zu adaptieren.

Eine der größten Bastionen des Rassismus ist also der deutsche Wald — vielleicht kann Fraumerkel ja auch dort was tun.

(Note to self: Einen Hund für die größe des Stöckchens zu bewundern (⌀30cm × 3m) ist keine gute Idee, wenn man dabei auf vereister Piste so wegrutscht, dass man fast das Herrchen umreist. Noch mal Glück gehabt.)

»You Only Live Once« singen die Strokes und werden dabei keineswegs irrelevant, wie mancher behauptet hat.

To China With Love January 5th, 2006 Leben Kein Kommentar

In guten zwei Monaten werde ich das erste Mal im Leben in einer völlig anderen Welt sein. Nicht ganz zum ersten Mal, gut. Aber die USA, immerhin für ein Jahr, zählen wohl kaum noch dank wechsel- einseitigen Einflüssen. Und die Türkei sowie Marokko auch nicht, wenn man relativ behütet in Hotelanlagen wohnt (und dabei mit Hepatitis- und Salmonellenverseuchtem Essen versorgt wird. Aber das ist eine andere Geschichte).

Klar, China ist jetzt auch kein Land mehr, mit dem man sich sofort die Tapferkeitsmedaille um den Hals hängen möchte — aber für den Jemen oder Irak fehlen mir einfach die diplomatische Vorgeschichte respektive Kopftuch. Für den Anfang also nicht die schlechteste Wahl. Mein einziges Problem: Ich konnte mich nie für China begeistern. Wandern in Schottland, Kanada oder Schweden: ein Traum. Moskau, Paris, New York oder Tokio: Alle eine Reise wert, auch wenn ich nur zwei kenne. Auch einfaches Trampen durch Südosteuropa kann mich begeistern, und durch den Regenwald zu irgendwelchen Indianertempeln finden, ist bestimmt super.

Stellen wir uns also eine große Weltkarte vor, die Landmassen weiß, rot hervorgehoben die Regionen, die mich als Reiseziel reizen würden, grün markiert alles, was schon bereist wurde. Die blauen Wassermassen sind eh nicht mein Ziel (Kreuzfahrten soll man meiden, Kaufempfehlung). Suchen wir jetzt also, nachdem die halbe Filzstiftpackung verbraucht ist, nach dem großen weißen Fleck, und wir entdecken Fernost.

Nun ist aber jetzt grade die Gelegenheit groß, ein Freund weilt in Shanghai und die Gruppe ist nett (nicht wie der Metzger, sondern nett). Und so langsam kraucht in mir die Begeisterung hoch, die den 540€-Flug der Alitalia schon jetzt vergessen machen. Und ich merke, dass mich das, was ich im ersten Satz schrieb, förmlich begeistert: Alles ist anders, und das ist gut so. China, ich komme. (Schnell nochmal zum Arzt, ein paar Impfungen sollen ja helfen.)

Wie konnte ich bitte nur Cut Copy übersehen? »Going Nowhere« ist, gelinde gesagt, genial.

Blog-Gedanken November 28th, 2005 Netzleben 2 Kommentare

Seit einiger Zeit siniere ich über Fragen wie warum Politiker grundsätzlich keine Ahnung haben oder wer in aller Welt grüne Paprika mag. Eine weitere dieser Fragen ist »Was ist Eingebeckert?« Ich versuche mir und der werten, inzwischen wohl wirklich kleinen Leserschar ein paar Antworten zu geben:

  1. (ausgrenzend) Es ist nicht Top 5.
  2. (eingrenzend) Es ist der Versuch, wirre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

Zu 1.: Ich merke schon länger, dass an meinem Verhältnis zu dem »Nebenprojekt«, das inzwischen mit seinen konstant über 150 Lesern, 7 Mitautoren und täglichen Artikeln mehr zu einer Hauptbaustelle geworden ist, etwas nicht stimmt. Des öfteren versuche ich, bestimmte Themen, die mir wichtig sind, in das Top-5-Muster zu pressen — und scheitere nach einer halben Stunde kläglich. Auch gibt es mir wichtige Themen wie die Politik, neue Platten usw., die einfach nicht in das Kleid passen, sondern einfach enge Hosen brauchen, damit man auch die Eier sieht. Um mal bildlich zu sprechen. (Und das ein Schottenrock auch gehen würde, lassen wir mal in den Gedanken der Leser wirken.)

Was daraus folgt: Ich brauche Eingebeckert, und finde es sehr schade, dass ich es so habe einschlafen lassen. Es wird sowohl Top 5 als auch Eingebeckert gut tun, wenn sie ihren berechtigten Raum zum atmen haben, denn keines ist Teil einer Inhaltsliefermaschine oder mit irgendeinem Hintergrund außer dem Schreiben entstanden, und das soll auch so bleiben (ohne natürlich Selbstzweck zu sein).

Zu 2.: Eingebeckert wird nie ein Liebesgeschichtenforum à la Sebas oder eine Offenbarung des Innersten wie Bad Cover Version. Auch wenn ich beide sehr gerne lese, glaube ich nicht, dass ich so etwas schreiben will oder auch könnte. Stattdessen schreibe ich hier nieder, was ich denke, da kann natürlich ein Teil von dem vorher genannten dabei sein, die Begegnung in der Kneipe nachts um fünf oder aber sonstwas. Wirres nicht wie bei ix, sondern einfach der Inhalt dessen, was sich »mein Kopf« (bitte mit rrrrollenderrrr Hitlerrr-Stimme vorrrrlesen) schimpft.

Konsequenzen? Zu aller erst wird hier wieder mehr geschrieben, gerne auch mit Bezug zu einer Liste drüben oder auch ohne. Das ganze Blogkram gibt es dort, denn ich sehe wenig Sinn darin, mit meinem »privaten« nach außen zu stehen, wenn ich eine solch wunderbare Visitenkarte habe.

Schwulenrechte June 4th, 2005 Neustadt 1 Kommentar

… scheinen die beiden einzigen Gruppen zu sein, die hier in Dresden Demos machen. Nein, natürlich nicht. Und auch genug der Wortspiele. Aber:

Warum in aller Welt müssen die mitten in der Nacht um 14 Uhr quer durch mein Schlafzimmer eine Straße weiter rummarschieren, und so die Leute, die früh um 8 Uhr morgens schlafen gegangen sind?

Nun gut, Dresden hat halt seine eigene Jugend- Schwulenbewegung. Und es ist ja auch Christopher Street Day.

(Nachdem ich mein Wasser getrunken habe, erhole ich mich bei Jack Johnson, dem Mädchen-Konsens, den wir uns gestern abend auch ca. 22 Mal anhören mussten durften: „Sitting, Waiting, Wishing“)

Ausgebucht April 29th, 2005 Leben Kein Kommentar

So, da habe ich eben mal 12 von 19 Neurologen in Dresden angerufen (bzw. alle angerufen, nur die erreicht, schliesslich muss ja Freitag halb zwölf Schluß sein mit dem Arbeiten. Der Porsche braucht seinen Auslauf!). Ergebnis: Keiner nimmt im Moment Patienten wie mich auf. Sprich: Patienten, die nicht versprechen, häufiger wiederzukommen oder aber mehr dafür zahlen.

Privatpatienten sind mir (und allen Medizin-Studenten die ich kenne) eh ein Dorn im Auge. Von mir aus darf jeder eine Zeit-ist-Geld-Versicherung abschließen, um die Wartezeit zu umgehen. Wer lieber alleine im Krankenhaus liegen möchte: Bitte, gerne. Aber: Was die Versorgung angeht, da sollte ich doch eigentlich den gleichen Anspruch haben dürfen wie derjenige, dessen Nappalledergeldbörse sich durch Papier- und nicht Metalldruckabnutzt. Aber nein: Ich darf noch nichtmal hin, schließlich gibt es Patienten, die mehr Geld bringen. Und natürlich die Stammkundschaft, denn bei der hat man ja keinen Verwaltungsaufwand.

Nur mal so rausgelassen an die Leute, die meinen, dass die Bürgerversicherung eine schlechte Idee wäre…

(The Killers mit ”Indie Rock And Roll“)

Weiße Effektgeräte April 11th, 2005 Musik Kein Kommentar

… und ein ausverkaufter Schlachthof. Fünf Personen (anfangs noch in) weißen Jackets, die ihre Instrumente bedienen können. Schreien, Posen, Springen, Tanzen. The Hives mit einem durchweg ansprechenden Konzert. Alles deutet darauf hin, das das (oder besser: die) kein Kunstprodukt sind, sondern für das stehen, was sie machen. Und sei es der Style der Effektgeräte: Das Design eines Bassverstärkers wurde sonst höchstens verändert, wenn der Marshall-Schriftzug mit Panzertape abgeklebt werden musste.

Klar, pop (wobei ich da ja kein expliziter Gegner bin). Klar, es gab besseren Schweden Rock letztes Jahr (zumindest abwechslungsreicher). Aber doch ein überzeugendes Konzert, stylische Ansagen, gute Musik, ein nettes (jung (manchmal zu), 60% w) Publikum und ein durchweg gelungener Abend. Gerne wieder.

(Wiederum The Hives mit a.k.a. I.D.I.O.T. beenden den Abend.

Eingetopft. February 26th, 2005 Netzleben Kein Kommentar

Jetzt ist es raus: Es gibt Personen, die irgendwie alles in eine Top-5-Liste packen müssen. Und der Herr Hornby ist da kein Einzelfall: Ich mache das hier ja auch ab und an, und zumindest wenn man an die Erfolge von Chart-Shows und nicht zuletzt High Fidelity denkt, sollte es doch auch ein paar Leute geben, die begeistert davon sind, wenn man ein paar Schubladen nimmt, dort Zahlen von 5 bis 1 draufmalt und Dinge hineinstopft. Und so war dann, dank Lenas gedanklicher Mithilfe in den Kommentaren hierdrunter, klar, dass die Welt nichts sehnlicher braucht, als einen neuen Papst ein Top 5-Weblog. Tja, und was die Welt braucht, das kriegt sie.

(Nr. 5 der Lieder, die ich beim Top-5-Listen-machen höre: Anajo mit „Honigmelone“ mit Textstellen, die zitierwürdig sind. Ein Beispiel: „Ich habe die Annahme, Du bist die Ausnahme“)

Drahtseilnerven February 24th, 2005 Leben 4 Kommentare

Und trotzdem sind sie bald durch. Denn Kostenrechnung nervt so dermaßen, dass ich meine Bewerbung bei SAP doch noch einmal überdenke. Warum hab ich überhaupt BWL als Nebenfach gewählt? Meine Top5 der Dinge, die ich jetzt stattdessen lieber machen würde:

5. Mehr Bagels essen.
4. Draußen sein, laufen, gehen, wasauchimmer.
3. Lena besuchen und bei der Facharbeit helfen. ;-)
2. Gute Konzerte besuchen
1. um die Welt reisen

Hört sich irgendwie an, als ob ich weg will. Mag schon sein, liegt aber nicht an Dresden oder den Leuten, das sei versichert.

(Der junge, überaus hübsche Rod Steward singt mit seinen Faces „Ooh La La“ – vom Rushmore Soundtrack. Netter Film übrigens.)

Mitgeklatscht February 12th, 2005 Musik 5 Kommentare

Mal abgesehen davon, was man von a) Jahrzehnte-Shows und b) Bands, die darin ihren einzigen Hit spielen müssen halten mag:

Eben grade beim Zappen auf Liquido mit „Narcotic“ (gutes Lied, nur leider kam danach nichts mehr…) in der 90er-Show gestoßen. Was bitte veranlasst diese grenzdebilen Deppen, die sich für Tierversuche Plätze in einer solchen Show freiwillig melden, nur weil sie erkannt haben, in welchem Takt das gespielte Lied ist, den auch die ganze Zeit durchzuklatschen? Besonders groß bei den ruhigen Teilen. Ihr seid herzallerliebst!

(Kettcar mit „Skateboard“ – mit Dank dem edlen Spender!)

Stock gereicht February 10th, 2005 Musik 1 Kommentar

Ja, es scheint, dass jeder Stock weitergereicht wird, an jeden, der irgendwie in der Gegend rumsteht. Aber ich mache natürlich mit, auch wenn ich ja nicht wirklich ein Mitglied der Blogosphäre bin…

1. Gesamte Musik auf dem Computer:

iTunes sagt: Viel. Aber: Auch viele CDs, ca. 10 Schallplatten (Green Hell soll endlich ausliefern…). Und: von meinen „Top 30 Artists“ habe ich von 25 mindestens ein Medium. Von manchen auch mehr: (Oasis, R.E.M.: Alle regulären Alben + jeweils ein BestOf/B-Seiten-Album)

2. Zuletzt gekaufte CD

Puh. Das ist wohl Slut oder Kante. Die letzten gekauften Platten sind die neue Trail of Dead, Tocotronic und Mando Diao.

3. Zuletzt gehörtes Lied

Die White Stripes mit Hypnotized.

4. Fünf Lieder, die viel Bedeutung für mich haben und die ich häufig höre

Hm. 1. Frontier Psychatrist von den Avalanches. Da hat mich „31 Songs“ von Nick Hornby drauf gebracht. Großartig.

Bei 2. ists wohl Bullet with Butterfly Wings von den Pumpkins (Jugend, aber immer noch geil)

Nr. 3. Irgendwas von Mando Diao. Die haben mich in letzter Zeit so begeistert, dass der Platz eindeutig verdient ist.

Nr. 4. sind R.E.M. mit Strange Currencies. Meist gespieltes Lied. Und das wird wohl auf ewig so bleiben.

Tja, und die Numero 5 ist: Zu schwer. Es könnten die Beatles sein (Lebenswerk), Blur, Nirvana… Es gibt einfach zu viele. Halt! Doch: Oasis, Champagne Supernova.

Alles völlig subjektiv, ich hab 10 Künstler vergessen etc. pp.

5. Weitergeben: Drei Personen, warum?

Tja. Von einigen wüsste ichs gerne, von einigen weiss ich eh viel, und viele, von denen ichs gern wüsste, lesen dass hier nicht. Also völlig subjektiv:
- Lena – mit kaum jemandem unterhalte ich mich mehr über Musik
- Jan – damit er weiss, dass ich da auch mitlese
- Schuer – damit das Schwein mal gefüttert wird. Und: ich will wissen, wie er das hier in 10 Zeilen schafft.

(Puh. Genug Musik.)