Gedanken zur Kulturflatrate February 26th, 2006 MusikNetzleben 3 Kommentare

Danke, René, für diesen wundervollen Text, auch wenn ich ihm in den Konsequenzen, die Du ziehst, nicht ganz folgen kann. Sicher, da ist einiges faul im System, wie Johnny schrieb, wie man lesen und auch fühlen kann. Und das überall, nicht nur im Bereich Musik, der aber natürlich für uns, die das anspricht, sehr präsent ist.

Aber löst eine Kulturflatrate wirklich die Probleme? Schafft sie vielleicht auch neue?

Nehmen wir zum einen die Verteilung der Musik. Diese müsste, um die Registrierung der Musikstücke vorzunehmen, relativ zentral (etwa P2P mit Servern) geschehen. Dabei wird es nicht möglich sein, jedwedes Format anzubieten, so dass wohl nur 3-5 Formate (sagen wir mal, optimistisch wie wir sind: MP3, Ogg Vorbis, AAC, WMA) in durchschnittlicher Größe (192kbit?). Was aber, wenn ich ein anderes Format will? Etwas fortschrittliches, vielleicht mehr als Stereo? Evolution ist hier wohl schwerlich möglich, weil ja keine Konkurrenz mehr da ist.

Gehen wir weiter zur Verteilung der Einnahmen: Durch die zentral erfassten Downloadzahlen werden die Gelder gerecht verteilt. Das ist jetzt aber nicht anders, abgesehen davon, dass die Musikindustrie vielleicht in viel kleinerem Maße beteiligt wäre. Bei ähnlichem Marketing werden weiterhin Shakira, P. Diddy und Coldplay den Großteil der Gelder machen, nicht Calexico, Clap Your Hands Say Yeah, les Mercredis oder, im großen, die Arctic Monkeys. Denn die sind alle unglaublich gut, authentisch, genial und (sagte ich es schon?) gut. Aber eben auch (und grade deswegen gut) etwas sperrig, schräg und nicht massenkompatibel, weil sie nicht auf Raabs Couch, Tommys Sofa oder MTVivas Schirm passen, nicht nebenher beim Kreuzworträtsellösen gehört werden wollen und sich nicht zur Untermalung eines Liebesfilms eignen (Wir wissen, das dem nicht so ist. Aber sie doch nicht.).

Apropos Einnahmen: Wie sehen die aus? Auf den Fairsharingseiten liest man etwas von rund fünf Euro im Monat. Wohl gemerkt: Von allen Netzteilnehmern, eingesammelt von einer Mammutbehörde a là GEZ (siehe unten). Macht 40 Mio. × 5 € = 800 M€ 2003 hatte die Industrie noch 1650 M€ Umsatz. Wie viele Leute kaufen aber noch (agesehen von uns Vinyl-Liebhabern) Tonträger, wenn sie legal und sehr einfach (so muss das System sein, um nicht ungerecht zu werden) alles aus dem Netz ziehen können. Ach so: Filme und Texte sind da noch gar nicht drin. Sprich: Es wird viel weniger Geld an die Künstler verteilt, und das nach einem Schlüssel, der für die uns sympathischen nicht unbedingt besser wird.

Vielleicht ja sogar schlechter — denn wenn die Industrie schon bei so etwas mitmachen würde, ließe sie es sich wohl kaum nehmen, an der Verteilung der Stücke die Finger mit im Spiel zu haben. Das sähe zum Beispiel so aus, dass amazonescque Empfehlungen in bestimmte Richtungen gehen würden, die den Konzernen eher genehm sind. Vielleicht müssten sie das noch nicht einmal tun: Man konnte das schon an den Verkaufscharts bei dem eben genannten Amazon sehen, dass der Mainstream diese stark verändert.

Was für neue Probleme würde die Kulturflatrate schaffen? Allen voran wohl eine GEZ-ähnliches Monstrum von Behörde, das die Gelder verteilt und zu einem gewissen Anteil auch gleich wieder verschlingt. Auf der einen Seite wehren wir uns gegen die GEZ, wo wir nur können, zum anderen wollen wir gleich eine neue schaffen — kaum konsistent.

Sicher würde ich mich freuen, wenn ich statt der ca. 50-80 Euro, die ich im Monat für Schallplatten ausgebe, diese Summe auf ein Zehntel zurückführen könnte. Das bedeutet aber, dass andere für die Differenz aufkommen müssten. Leute wie meine Eltern, die sich fast nie Musik kaufen, weil ihnen das Radio, für das sie ja Gebühren zahlen, vollkommen ausreicht. Die Ihr Geld vielleicht lieber für den Tennisverein, Ihre Fahrräder oder das Theater ausgeben — und jetzt von dem Geld etwas abzwacken müssten, um meinen Musikkonsum zu kompensieren.

Das alles ist aus meiner Sicht ein Angleichen auf unterem Niveau, das Innovation, Individualität und Kreativität eher unterdrückt als fördert. Sozialismus im kleinen, sozusagen. Gut gemeint, gut gedacht, aber real würde es schiefgehen, da bin ich mir sicher. Das das System in Schieflage geraten ist, ist vollkommen klar — aber die Kulturflatrate, nein, die kann keine Lösung sein.

(Gestern beim Hard-Fi-Konzert gewesen, und »Living For The Weekend« war Highlight und Schlusspunkt zugleich. Später wohl mehr dazu.)

Fehlsichtige Farben February 24th, 2006 Musik Kein Kommentar

Michael Schuh hat für laut.de Peter Hein, Sänger der Fehlfarben, interviewt.

Der Mann ist Popgeschichte, hat zumindest mit »Es geht voran« Tausende von Adressaten verwirrt und viel, viel Musik aufgenommen. Heutzutage ist er nur noch Geschichte, selber verwirrt und hat viel, viel Musik aufgenommen. Wollen wir uns das Interview mal angucken:

»Ich besitze nach wie vor keine Platten von denen.«

Sagt er im Bezug auf Tocotronic. Ein paar Zeilen weiter unten:

»Q: Wie stehst du dann zu antinationalistischen Statements wie “Aber Hier Leben, Nein Danke”? Distinktion ist ja erstmal nichts Schlechtes.

A: Ja gut weißte, die machen jetzt halt das, was mir de facto irgendwie schon 1985 auf den Keks gegangen ist.«

Merke: Wir laden uns nen Künster auf ein Album ein, um mit dem Werbung machen zu können. Dann haben wir, immerhin »professionell« im Musikgeschäft, noch nie was von Tocotronic gehört. Ach so, aber das was die machen, auch wenn wir es nicht kennen, das geht uns gehörig auf den Keks.

»Sarah Kuttner sagt mir jetzt zum Beispiel nix. Musikfernsehen hat sich meines Wissens ja selber abgeschafft.«

Obwohl er da ja prinzipiell Recht hat: Über etwas reden, das man gar nicht kennt, geht mal gar nicht.

Zusammenfassung: Er lästert über die Leute, die zu ihrem »26 1/2« beitragen, spricht von stressigen Aufnahmen, wenn er grade bei dreien dabei war, und tut so, als ob letztendlich allein die Fehlfarben einen Platz auf dem Olymp verdient haben.

Gibt es eigentlich ein Gen, dass aus Musikern nach 25 Jahren Bühnenpräsenz selbstreferentielle Wichtigtuer ohne Ahnung macht?

(Die Sterne freuen sich schon aufs neue Album: »Widerschein«.)

Planetakis (oder warum man… ach nee) February 22nd, 2006 Musik Kein Kommentar

Manchmal hat der Herr Shhh die gleichen Ideen wie ich — oder besser: umgedreht. We Are Schientists, die wollte ich mir gestern eigentlich in Berlin angucken, doch die Zeit hat mal wieder nicht gereicht, und wahrscheinlich war es auch gut so. Denn als Vorgruppe waren Planetakis mit dabei, das neue Projekt der Gitarrengesangsfraktion von den so unglaublich verehrungswürdigen Angelika Express. Und wo Herr Shhhh noch Milde walten lässt (gut, das pinke Bügelbrett ist hart…), hauen die Plattentester noch mal richtig drauf: »Den Schwenk zum Powerschlager kann man so ohne Erklärung dagegen schon nicht mehr hinnehmen.«. Und haben Recht, wenn man sich alleine die vier Stücke auf MySpace anhört. Die Welt braucht das nicht. Was die Welt braucht, ist zum Beispiel eine Top 5 der besten Angelika-Express-Stücke. Die gabs mal, wie ein Trackback bei der Freakshow beweist. Und ist jetzt weg, dank meiner genialen Datenbankreinigungsfähigkeiten. Es ist Zeit für mich zu gehn.

(Ich wär so gerne wie »Francois Truffaut«. Rest in peace, werte Angelika.)

[Entf] February 1st, 2006 LebenMusikNetzleben 1 Kommentar

Diese Taste sollte man wirklich lieben lernen. Wahlweise auch [< -] die hier, aber bei [Entf] kann man viel besser auf die Bedeutung schließen.

Jedenfalls ist es ungeheuer befreiend, einen Eintrag zu schreiben, sich diesen nocheinmal durchzulesen und festzustellen, dass manchmal weniger einfach das neue mehr ist. Ich könnte jetzt noch ne Menge über Statistiken, Vielleser und Schadefinden schreiben, aber irgendwie finde ich die Sonne grade spannender.

Einen schönen Tag noch!

(Schnell noch aus dem gelöschten Wiederhergestellt: Clap Your Hands Say Yeah spielen mit »Details Of The War« ein Lied, das irgendwie an Dylan erinnert. Irgendwie auch an Arcade Fire. Und eigentlich nicht verglichen, sondern vielmehr gehört werden sollte.)

Dresden, I like you January 18th, 2006 Neustadt 2 Kommentare

Du sitzt seit ein paar Tagen an Sachen, die keinen Spaß machen, die aber gemacht werden müssen, willst Du irgendwann mal fertige Software präsentieren. Dann ist etwas unklar, Du rufst Deinen Chef an, stellst fest, dass Du vieles und er einiges nicht richtig verstanden hattet. Bzw. uns beiden nicht ganz klar war, wo das ganze eigentlich hinführen sollte. Mißverständnisse zwischen Ingenieur und Informatiker, die frustieren können: Zumindest, so sie denn ein paar Tage Arbeit über den Jordan jagen. Du guckst aus dem Fenster und es schneit. Aber nicht dieser schöne, dicke, langsame Schnee ist es, der gegen dein Fenster treibt, nein, unten auf der Straße ist klar zu erkennen, dass das ganze Unmengen Matsch produzierst.

Du denkst Dir, dass Du raus musst. Abreagieren. Nicht bald nach China oder irgendwann nach Neuseeland, sondern jetzt, sofort. Widerwillig ziehst Du Dir die Laufsachen, grinst blöd ob der kleinen Freude, dass es heutzutage wenigstens Funktionswäsche für solche Tage gibt. Du gehst vor die Tür, kalter Wind bläst Dir ins Gesicht. Du läufst die ersten Schritte. Der Puls geht viel zu schnell hoch, Du bemerkst zynisch (und nicht nur im inneren Monolog), dass der Jahreswechsel wohl nicht so spurlos an Dir vorbeigegangen ist. Die Nase läuft schon nach wenigen Hundert Metern, das ganze kann ja gar nicht gut werden.

Du erreichst die Heide und guckst, wie die Eisschollen in der Priesnitz treiben. Du siehst die Spuren von Eichhörnchen auf einem Baumstamm und bemerkst, wie ein leises Grinsen auf Dein Gesicht wandert. Das zynische Du behauptet, dass es eh nur festgefroren sei, Du weißt zwar, dass das wahrscheinlich sogar wahr ist, Dir aber ist das egal. Du läufst weiter, plötzlich steht ein Reh vor Dir. Ihr guckt Euch in die Augen, ein kurzer Moment nur, bis es weiterspringt. Du erreichst den Waldfriedhof, läufst weiter Richtung Elbe, kommst am Waldschlößchen raus. Entlang der Elbe siehst Du erst die Schlösser, hinten erahnst Du das Blaue Wunder. Du läufst Richtung Stadtmitte, erkennst auf der anderen Elbseite das alte Dresden in all seiner Pracht: Brühlsche Terasse, Frauenkirche, Semperoper, Zwinger. Du läufst weiter, biegst irgendwann rechts ab, läufst durch innere und äußere Neustadt. Zwei Punks vor dem Plus feuern Dich an — freundlich, nicht abwertend. Bald zu Hause, bald Dusche und Tee.

Zu Hause. Tee. Dusche.

Selbst wenn alle Freunde weggezogen sind, wirst Du diese Stadt immer noch mögen.

(Passend dazu: Interpol mit »Cmere«)

Mittwochs January 14th, 2006 Musik Kein Kommentar

…, die: iTunes sagt »Alternative & Punk«, ich sage Indieelektropop at its best. Zumindest was ich bis jetzt von Les Mercredis gehört habe. Das fiebt, knarzt und spreizt sich möglichst breit aus, um trotzdem in den Ohren zu landen.

Sicher: das Brett ist breit, ja zu breit, um durch jedermanns Türen respektive Lautsprecher respektive Gehörgänge zu passen. Aber für wen das etwas ist (und das ist es bei mir gar nicht unbedingt. Hier aber eben schon.), der sollte sich »Lächeln kostet extra.« wirklich besorgen, denn er kauft damit nicht nur der Band nen paar Bier, sondern auch sich selbst eine Freude.

Kostproben gibts auf der Webseite genug, von daher von meiner Seite aus nur ein »anhören, gut finden, kaufen, besser finden«.

Großartig und nochmal Danke, Herr Shhhh..

(Im Moment läuft grade »Mindestens haltbar«, bei dessen Remix ich grandios versagte. Aber Ihr könnt das eh viel besser!)

Feinde im Wald January 8th, 2006 Sport 1 Kommentar

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Sicher ein Spruch, der es locker in Schürs Top-5-Floskeln schaffen könnte. Und er stimmt auch nicht, wie folgende Geschichte beweist.

Ein sonniger Wintertag (in anderen Worten: heute) versprach bestes Wetter, um ein wenig Sport im Wald zu machen. In dieser Situation stellt sich mir immer die Frage, ob ich nur ein paar Schuhe oder gar ein ganzes Fahrrad zwischen mich und den Waldboden bringen soll. Ich entschied mich für letzteres, schnallte den Helm auf, zog die Jacke an und die Hosenbeine zu und begab mich auf die verschneiten Pisten der Dresdner Heide.

Nun ist zur Erklärung für außenstehende wichtig, die deutsche Grüßkultur zu verstehen. Hierzulande gibt es gewisse Orte, an denen man sich grüßt (Aufzug, Dorf, beim Betreten der Firma) und manche, an denen das tunlichst zu unterlassen ist (WC, Stadt, Dusche im Schwimmbad).

Im Wald (um wieder den Bogen zu kriegen) ist die Sache nicht so eindeutig geklärt: Gegrüßt wird hier streng nach einem hierarchischem System, wobei die unterschiedlichen Gattungen im Wald (Wanderer, Läufer, Fahrradfahrer, Walker) sich jeweils an der Spitze der Pyramide sehen und für sie unterwertige nicht grüßen. So kommt es, dass Läufer und Biker grußlos aneinander vorbeischwirren, während sich untereinander herzlich gegrüßt wird. Was herzlich in diesem Zusammenhang bedeutet, ist dehnbar: Biker nicken sich zu, Läufer heben die Hand (ähnlich wie Old Shatterhand in Winetou II) während Walker dank höherem Sauerstoffgehalt ihres Denkorgans ein ganzes »Tag« herausdrücken. Vielleicht ist das ja auch der Grund der Kommunikationsprobleme — zumindest werde ich, stets um die Völkerverständigung bemüht, durchgängig ignoriert, auch wenn ich die Identifikationsformen der unterschiedlichen Gruppen versuche zu adaptieren.

Eine der größten Bastionen des Rassismus ist also der deutsche Wald — vielleicht kann Fraumerkel ja auch dort was tun.

(Note to self: Einen Hund für die größe des Stöckchens zu bewundern (⌀30cm × 3m) ist keine gute Idee, wenn man dabei auf vereister Piste so wegrutscht, dass man fast das Herrchen umreist. Noch mal Glück gehabt.)

»You Only Live Once« singen die Strokes und werden dabei keineswegs irrelevant, wie mancher behauptet hat.

To China With Love January 5th, 2006 Leben Kein Kommentar

In guten zwei Monaten werde ich das erste Mal im Leben in einer völlig anderen Welt sein. Nicht ganz zum ersten Mal, gut. Aber die USA, immerhin für ein Jahr, zählen wohl kaum noch dank wechsel- einseitigen Einflüssen. Und die Türkei sowie Marokko auch nicht, wenn man relativ behütet in Hotelanlagen wohnt (und dabei mit Hepatitis- und Salmonellenverseuchtem Essen versorgt wird. Aber das ist eine andere Geschichte).

Klar, China ist jetzt auch kein Land mehr, mit dem man sich sofort die Tapferkeitsmedaille um den Hals hängen möchte — aber für den Jemen oder Irak fehlen mir einfach die diplomatische Vorgeschichte respektive Kopftuch. Für den Anfang also nicht die schlechteste Wahl. Mein einziges Problem: Ich konnte mich nie für China begeistern. Wandern in Schottland, Kanada oder Schweden: ein Traum. Moskau, Paris, New York oder Tokio: Alle eine Reise wert, auch wenn ich nur zwei kenne. Auch einfaches Trampen durch Südosteuropa kann mich begeistern, und durch den Regenwald zu irgendwelchen Indianertempeln finden, ist bestimmt super.

Stellen wir uns also eine große Weltkarte vor, die Landmassen weiß, rot hervorgehoben die Regionen, die mich als Reiseziel reizen würden, grün markiert alles, was schon bereist wurde. Die blauen Wassermassen sind eh nicht mein Ziel (Kreuzfahrten soll man meiden, Kaufempfehlung). Suchen wir jetzt also, nachdem die halbe Filzstiftpackung verbraucht ist, nach dem großen weißen Fleck, und wir entdecken Fernost.

Nun ist aber jetzt grade die Gelegenheit groß, ein Freund weilt in Shanghai und die Gruppe ist nett (nicht wie der Metzger, sondern nett). Und so langsam kraucht in mir die Begeisterung hoch, die den 540€-Flug der Alitalia schon jetzt vergessen machen. Und ich merke, dass mich das, was ich im ersten Satz schrieb, förmlich begeistert: Alles ist anders, und das ist gut so. China, ich komme. (Schnell nochmal zum Arzt, ein paar Impfungen sollen ja helfen.)

Wie konnte ich bitte nur Cut Copy übersehen? »Going Nowhere« ist, gelinde gesagt, genial.

Blog-Gedanken November 28th, 2005 Netzleben 2 Kommentare

Seit einiger Zeit siniere ich über Fragen wie warum Politiker grundsätzlich keine Ahnung haben oder wer in aller Welt grüne Paprika mag. Eine weitere dieser Fragen ist »Was ist Eingebeckert?« Ich versuche mir und der werten, inzwischen wohl wirklich kleinen Leserschar ein paar Antworten zu geben:

  1. (ausgrenzend) Es ist nicht Top 5.
  2. (eingrenzend) Es ist der Versuch, wirre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

Zu 1.: Ich merke schon länger, dass an meinem Verhältnis zu dem »Nebenprojekt«, das inzwischen mit seinen konstant über 150 Lesern, 7 Mitautoren und täglichen Artikeln mehr zu einer Hauptbaustelle geworden ist, etwas nicht stimmt. Des öfteren versuche ich, bestimmte Themen, die mir wichtig sind, in das Top-5-Muster zu pressen — und scheitere nach einer halben Stunde kläglich. Auch gibt es mir wichtige Themen wie die Politik, neue Platten usw., die einfach nicht in das Kleid passen, sondern einfach enge Hosen brauchen, damit man auch die Eier sieht. Um mal bildlich zu sprechen. (Und das ein Schottenrock auch gehen würde, lassen wir mal in den Gedanken der Leser wirken.)

Was daraus folgt: Ich brauche Eingebeckert, und finde es sehr schade, dass ich es so habe einschlafen lassen. Es wird sowohl Top 5 als auch Eingebeckert gut tun, wenn sie ihren berechtigten Raum zum atmen haben, denn keines ist Teil einer Inhaltsliefermaschine oder mit irgendeinem Hintergrund außer dem Schreiben entstanden, und das soll auch so bleiben (ohne natürlich Selbstzweck zu sein).

Zu 2.: Eingebeckert wird nie ein Liebesgeschichtenforum à la Sebas oder eine Offenbarung des Innersten wie Bad Cover Version. Auch wenn ich beide sehr gerne lese, glaube ich nicht, dass ich so etwas schreiben will oder auch könnte. Stattdessen schreibe ich hier nieder, was ich denke, da kann natürlich ein Teil von dem vorher genannten dabei sein, die Begegnung in der Kneipe nachts um fünf oder aber sonstwas. Wirres nicht wie bei ix, sondern einfach der Inhalt dessen, was sich »mein Kopf« (bitte mit rrrrollenderrrr Hitlerrr-Stimme vorrrrlesen) schimpft.

Konsequenzen? Zu aller erst wird hier wieder mehr geschrieben, gerne auch mit Bezug zu einer Liste drüben oder auch ohne. Das ganze Blogkram gibt es dort, denn ich sehe wenig Sinn darin, mit meinem »privaten« nach außen zu stehen, wenn ich eine solch wunderbare Visitenkarte habe.

Schwulenrechte June 4th, 2005 Neustadt 1 Kommentar

… scheinen die beiden einzigen Gruppen zu sein, die hier in Dresden Demos machen. Nein, natürlich nicht. Und auch genug der Wortspiele. Aber:

Warum in aller Welt müssen die mitten in der Nacht um 14 Uhr quer durch mein Schlafzimmer eine Straße weiter rummarschieren, und so die Leute, die früh um 8 Uhr morgens schlafen gegangen sind?

Nun gut, Dresden hat halt seine eigene Jugend- Schwulenbewegung. Und es ist ja auch Christopher Street Day.

(Nachdem ich mein Wasser getrunken habe, erhole ich mich bei Jack Johnson, dem Mädchen-Konsens, den wir uns gestern abend auch ca. 22 Mal anhören mussten durften: „Sitting, Waiting, Wishing“)