01. 02. 06
@ 14:41

[Entf]

Diese Taste sollte man wirklich lieben lernen. Wahlweise auch [< -] die hier, aber bei [Entf] kann man viel besser auf die Bedeutung schließen.

Jedenfalls ist es ungeheuer befreiend, einen Eintrag zu schreiben, sich diesen nocheinmal durchzulesen und festzustellen, dass manchmal weniger einfach das neue mehr ist. Ich könnte jetzt noch ne Menge über Statistiken, Vielleser und Schadefinden schreiben, aber irgendwie finde ich die Sonne grade spannender.

Einen schönen Tag noch!

(Schnell noch aus dem gelöschten Wiederhergestellt: Clap Your Hands Say Yeah spielen mit »Details Of The War« ein Lied, das irgendwie an Dylan erinnert. Irgendwie auch an Arcade Fire. Und eigentlich nicht verglichen, sondern vielmehr gehört werden sollte.)
18. 01. 06
@ 18:00

Dresden, I like you

Du sitzt seit ein paar Tagen an Sachen, die keinen Spaß machen, die aber gemacht werden müssen, willst Du irgendwann mal fertige Software präsentieren. Dann ist etwas unklar, Du rufst Deinen Chef an, stellst fest, dass Du vieles und er einiges nicht richtig verstanden hattet. Bzw. uns beiden nicht ganz klar war, wo das ganze eigentlich hinführen sollte. Mißverständnisse zwischen Ingenieur und Informatiker, die frustieren können: Zumindest, so sie denn ein paar Tage Arbeit über den Jordan jagen. Du guckst aus dem Fenster und es schneit. Aber nicht dieser schöne, dicke, langsame Schnee ist es, der gegen dein Fenster treibt, nein, unten auf der Straße ist klar zu erkennen, dass das ganze Unmengen Matsch produzierst.

Du denkst Dir, dass Du raus musst. Abreagieren. Nicht bald nach China oder irgendwann nach Neuseeland, sondern jetzt, sofort. Widerwillig ziehst Du Dir die Laufsachen, grinst blöd ob der kleinen Freude, dass es heutzutage wenigstens Funktionswäsche für solche Tage gibt. Du gehst vor die Tür, kalter Wind bläst Dir ins Gesicht. Du läufst die ersten Schritte. Der Puls geht viel zu schnell hoch, Du bemerkst zynisch (und nicht nur im inneren Monolog), dass der Jahreswechsel wohl nicht so spurlos an Dir vorbeigegangen ist. Die Nase läuft schon nach wenigen Hundert Metern, das ganze kann ja gar nicht gut werden.

Du erreichst die Heide und guckst, wie die Eisschollen in der Priesnitz treiben. Du siehst die Spuren von Eichhörnchen auf einem Baumstamm und bemerkst, wie ein leises Grinsen auf Dein Gesicht wandert. Das zynische Du behauptet, dass es eh nur festgefroren sei, Du weißt zwar, dass das wahrscheinlich sogar wahr ist, Dir aber ist das egal. Du läufst weiter, plötzlich steht ein Reh vor Dir. Ihr guckt Euch in die Augen, ein kurzer Moment nur, bis es weiterspringt. Du erreichst den Waldfriedhof, läufst weiter Richtung Elbe, kommst am Waldschlößchen raus. Entlang der Elbe siehst Du erst die Schlösser, hinten erahnst Du das Blaue Wunder. Du läufst Richtung Stadtmitte, erkennst auf der anderen Elbseite das alte Dresden in all seiner Pracht: Brühlsche Terasse, Frauenkirche, Semperoper, Zwinger. Du läufst weiter, biegst irgendwann rechts ab, läufst durch innere und äußere Neustadt. Zwei Punks vor dem Plus feuern Dich an — freundlich, nicht abwertend. Bald zu Hause, bald Dusche und Tee.

Zu Hause. Tee. Dusche.

Selbst wenn alle Freunde weggezogen sind, wirst Du diese Stadt immer noch mögen.

(Passend dazu: Interpol mit »Cmere«)
14. 01. 06
@ 15:51

Mittwochs

…, die: iTunes sagt »Alternative & Punk«, ich sage Indieelektropop at its best. Zumindest was ich bis jetzt von Les Mercredis gehört habe. Das fiebt, knarzt und spreizt sich möglichst breit aus, um trotzdem in den Ohren zu landen.

Sicher: das Brett ist breit, ja zu breit, um durch jedermanns Türen respektive Lautsprecher respektive Gehörgänge zu passen. Aber für wen das etwas ist (und das ist es bei mir gar nicht unbedingt. Hier aber eben schon.), der sollte sich »Lächeln kostet extra.« wirklich besorgen, denn er kauft damit nicht nur der Band nen paar Bier, sondern auch sich selbst eine Freude.

Kostproben gibts auf der Webseite genug, von daher von meiner Seite aus nur ein »anhören, gut finden, kaufen, besser finden«.

Großartig und nochmal Danke, Herr Shhhh..

(Im Moment läuft grade »Mindestens haltbar«, bei dessen Remix ich grandios versagte. Aber Ihr könnt das eh viel besser!)
08. 01. 06
@ 14:53

Feinde im Wald

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Sicher ein Spruch, der es locker in Schürs Top-5-Floskeln schaffen könnte. Und er stimmt auch nicht, wie folgende Geschichte beweist.

Ein sonniger Wintertag (in anderen Worten: heute) versprach bestes Wetter, um ein wenig Sport im Wald zu machen. In dieser Situation stellt sich mir immer die Frage, ob ich nur ein paar Schuhe oder gar ein ganzes Fahrrad zwischen mich und den Waldboden bringen soll. Ich entschied mich für letzteres, schnallte den Helm auf, zog die Jacke an und die Hosenbeine zu und begab mich auf die verschneiten Pisten der Dresdner Heide.

Nun ist zur Erklärung für außenstehende wichtig, die deutsche Grüßkultur zu verstehen. Hierzulande gibt es gewisse Orte, an denen man sich grüßt (Aufzug, Dorf, beim Betreten der Firma) und manche, an denen das tunlichst zu unterlassen ist (WC, Stadt, Dusche im Schwimmbad).

Im Wald (um wieder den Bogen zu kriegen) ist die Sache nicht so eindeutig geklärt: Gegrüßt wird hier streng nach einem hierarchischem System, wobei die unterschiedlichen Gattungen im Wald (Wanderer, Läufer, Fahrradfahrer, Walker) sich jeweils an der Spitze der Pyramide sehen und für sie unterwertige nicht grüßen. So kommt es, dass Läufer und Biker grußlos aneinander vorbeischwirren, während sich untereinander herzlich gegrüßt wird. Was herzlich in diesem Zusammenhang bedeutet, ist dehnbar: Biker nicken sich zu, Läufer heben die Hand (ähnlich wie Old Shatterhand in Winetou II) während Walker dank höherem Sauerstoffgehalt ihres Denkorgans ein ganzes »Tag« herausdrücken. Vielleicht ist das ja auch der Grund der Kommunikationsprobleme — zumindest werde ich, stets um die Völkerverständigung bemüht, durchgängig ignoriert, auch wenn ich die Identifikationsformen der unterschiedlichen Gruppen versuche zu adaptieren.

Eine der größten Bastionen des Rassismus ist also der deutsche Wald — vielleicht kann Fraumerkel ja auch dort was tun.

(Note to self: Einen Hund für die größe des Stöckchens zu bewundern (⌀30cm × 3m) ist keine gute Idee, wenn man dabei auf vereister Piste so wegrutscht, dass man fast das Herrchen umreist. Noch mal Glück gehabt.)

»You Only Live Once« singen die Strokes und werden dabei keineswegs irrelevant, wie mancher behauptet hat.
05. 01. 06
@ 17:51

To China With Love

In guten zwei Monaten werde ich das erste Mal im Leben in einer völlig anderen Welt sein. Nicht ganz zum ersten Mal, gut. Aber die USA, immerhin für ein Jahr, zählen wohl kaum noch dank wechsel- einseitigen Einflüssen. Und die Türkei sowie Marokko auch nicht, wenn man relativ behütet in Hotelanlagen wohnt (und dabei mit Hepatitis- und Salmonellenverseuchtem Essen versorgt wird. Aber das ist eine andere Geschichte).

Klar, China ist jetzt auch kein Land mehr, mit dem man sich sofort die Tapferkeitsmedaille um den Hals hängen möchte — aber für den Jemen oder Irak fehlen mir einfach die diplomatische Vorgeschichte respektive Kopftuch. Für den Anfang also nicht die schlechteste Wahl. Mein einziges Problem: Ich konnte mich nie für China begeistern. Wandern in Schottland, Kanada oder Schweden: ein Traum. Moskau, Paris, New York oder Tokio: Alle eine Reise wert, auch wenn ich nur zwei kenne. Auch einfaches Trampen durch Südosteuropa kann mich begeistern, und durch den Regenwald zu irgendwelchen Indianertempeln finden, ist bestimmt super.

Stellen wir uns also eine große Weltkarte vor, die Landmassen weiß, rot hervorgehoben die Regionen, die mich als Reiseziel reizen würden, grün markiert alles, was schon bereist wurde. Die blauen Wassermassen sind eh nicht mein Ziel (Kreuzfahrten soll man meiden, Kaufempfehlung). Suchen wir jetzt also, nachdem die halbe Filzstiftpackung verbraucht ist, nach dem großen weißen Fleck, und wir entdecken Fernost.

Nun ist aber jetzt grade die Gelegenheit groß, ein Freund weilt in Shanghai und die Gruppe ist nett (nicht wie der Metzger, sondern nett). Und so langsam kraucht in mir die Begeisterung hoch, die den 540€-Flug der Alitalia schon jetzt vergessen machen. Und ich merke, dass mich das, was ich im ersten Satz schrieb, förmlich begeistert: Alles ist anders, und das ist gut so. China, ich komme. (Schnell nochmal zum Arzt, ein paar Impfungen sollen ja helfen.)

Wie konnte ich bitte nur Cut Copy übersehen? »Going Nowhere« ist, gelinde gesagt, genial.
28. 11. 05
@ 18:42

Blog-Gedanken

Seit einiger Zeit siniere ich über Fragen wie warum Politiker grundsätzlich keine Ahnung haben oder wer in aller Welt grüne Paprika mag. Eine weitere dieser Fragen ist »Was ist Eingebeckert?« Ich versuche mir und der werten, inzwischen wohl wirklich kleinen Leserschar ein paar Antworten zu geben:

  1. (ausgrenzend) Es ist nicht Top 5.
  2. (eingrenzend) Es ist der Versuch, wirre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

Zu 1.: Ich merke schon länger, dass an meinem Verhältnis zu dem »Nebenprojekt«, das inzwischen mit seinen konstant über 150 Lesern, 7 Mitautoren und täglichen Artikeln mehr zu einer Hauptbaustelle geworden ist, etwas nicht stimmt. Des öfteren versuche ich, bestimmte Themen, die mir wichtig sind, in das Top-5-Muster zu pressen — und scheitere nach einer halben Stunde kläglich. Auch gibt es mir wichtige Themen wie die Politik, neue Platten usw., die einfach nicht in das Kleid passen, sondern einfach enge Hosen brauchen, damit man auch die Eier sieht. Um mal bildlich zu sprechen. (Und das ein Schottenrock auch gehen würde, lassen wir mal in den Gedanken der Leser wirken.)

Was daraus folgt: Ich brauche Eingebeckert, und finde es sehr schade, dass ich es so habe einschlafen lassen. Es wird sowohl Top 5 als auch Eingebeckert gut tun, wenn sie ihren berechtigten Raum zum atmen haben, denn keines ist Teil einer Inhaltsliefermaschine oder mit irgendeinem Hintergrund außer dem Schreiben entstanden, und das soll auch so bleiben (ohne natürlich Selbstzweck zu sein).

Zu 2.: Eingebeckert wird nie ein Liebesgeschichtenforum à la Sebas oder eine Offenbarung des Innersten wie Bad Cover Version. Auch wenn ich beide sehr gerne lese, glaube ich nicht, dass ich so etwas schreiben will oder auch könnte. Stattdessen schreibe ich hier nieder, was ich denke, da kann natürlich ein Teil von dem vorher genannten dabei sein, die Begegnung in der Kneipe nachts um fünf oder aber sonstwas. Wirres nicht wie bei ix, sondern einfach der Inhalt dessen, was sich »mein Kopf« (bitte mit rrrrollenderrrr Hitlerrr-Stimme vorrrrlesen) schimpft.

Konsequenzen? Zu aller erst wird hier wieder mehr geschrieben, gerne auch mit Bezug zu einer Liste drüben oder auch ohne. Das ganze Blogkram gibt es dort, denn ich sehe wenig Sinn darin, mit meinem »privaten« nach außen zu stehen, wenn ich eine solch wunderbare Visitenkarte habe.

04. 06. 05
@ 17:13

Schwulenrechte

… scheinen die beiden einzigen Gruppen zu sein, die hier in Dresden Demos machen. Nein, natürlich nicht. Und auch genug der Wortspiele. Aber:

Warum in aller Welt müssen die mitten in der Nacht um 14 Uhr quer durch mein Schlafzimmer eine Straße weiter rummarschieren, und so die Leute, die früh um 8 Uhr morgens schlafen gegangen sind?

Nun gut, Dresden hat halt seine eigene Jugend- Schwulenbewegung. Und es ist ja auch Christopher Street Day.

(Nachdem ich mein Wasser getrunken habe, erhole ich mich bei Jack Johnson, dem Mädchen-Konsens, den wir uns gestern abend auch ca. 22 Mal anhören mussten durften: „Sitting, Waiting, Wishing“)

29. 04. 05
@ 13:24

Ausgebucht

So, da habe ich eben mal 12 von 19 Neurologen in Dresden angerufen (bzw. alle angerufen, nur die erreicht, schliesslich muss ja Freitag halb zwölf Schluß sein mit dem Arbeiten. Der Porsche braucht seinen Auslauf!). Ergebnis: Keiner nimmt im Moment Patienten wie mich auf. Sprich: Patienten, die nicht versprechen, häufiger wiederzukommen oder aber mehr dafür zahlen.

Privatpatienten sind mir (und allen Medizin-Studenten die ich kenne) eh ein Dorn im Auge. Von mir aus darf jeder eine Zeit-ist-Geld-Versicherung abschließen, um die Wartezeit zu umgehen. Wer lieber alleine im Krankenhaus liegen möchte: Bitte, gerne. Aber: Was die Versorgung angeht, da sollte ich doch eigentlich den gleichen Anspruch haben dürfen wie derjenige, dessen Nappalledergeldbörse sich durch Papier- und nicht Metalldruckabnutzt. Aber nein: Ich darf noch nichtmal hin, schließlich gibt es Patienten, die mehr Geld bringen. Und natürlich die Stammkundschaft, denn bei der hat man ja keinen Verwaltungsaufwand.

Nur mal so rausgelassen an die Leute, die meinen, dass die Bürgerversicherung eine schlechte Idee wäre…

(The Killers mit ”Indie Rock And Roll“)

11. 04. 05
@ 00:47

Weiße Effektgeräte

… und ein ausverkaufter Schlachthof. Fünf Personen (anfangs noch in) weißen Jackets, die ihre Instrumente bedienen können. Schreien, Posen, Springen, Tanzen. The Hives mit einem durchweg ansprechenden Konzert. Alles deutet darauf hin, das das (oder besser: die) kein Kunstprodukt sind, sondern für das stehen, was sie machen. Und sei es der Style der Effektgeräte: Das Design eines Bassverstärkers wurde sonst höchstens verändert, wenn der Marshall-Schriftzug mit Panzertape abgeklebt werden musste.

Klar, pop (wobei ich da ja kein expliziter Gegner bin). Klar, es gab besseren Schweden Rock letztes Jahr (zumindest abwechslungsreicher). Aber doch ein überzeugendes Konzert, stylische Ansagen, gute Musik, ein nettes (jung (manchmal zu), 60% w) Publikum und ein durchweg gelungener Abend. Gerne wieder.

(Wiederum The Hives mit a.k.a. I.D.I.O.T. beenden den Abend.

26. 02. 05
@ 16:22

Eingetopft.

Jetzt ist es raus: Es gibt Personen, die irgendwie alles in eine Top-5-Liste packen müssen. Und der Herr Hornby ist da kein Einzelfall: Ich mache das hier ja auch ab und an, und zumindest wenn man an die Erfolge von Chart-Shows und nicht zuletzt High Fidelity denkt, sollte es doch auch ein paar Leute geben, die begeistert davon sind, wenn man ein paar Schubladen nimmt, dort Zahlen von 5 bis 1 draufmalt und Dinge hineinstopft. Und so war dann, dank Lenas gedanklicher Mithilfe in den Kommentaren hierdrunter, klar, dass die Welt nichts sehnlicher braucht, als einen neuen Papst ein Top 5-Weblog. Tja, und was die Welt braucht, das kriegt sie.

(Nr. 5 der Lieder, die ich beim Top-5-Listen-machen höre: Anajo mit „Honigmelone“ mit Textstellen, die zitierwürdig sind. Ein Beispiel: „Ich habe die Annahme, Du bist die Ausnahme“)