Allein, Allein October 15th, 2008 Musik Kein Kommentar

Ich lebe in Dresden. Es ist also kein Wunder, wenn Lieder von Robert and the Roboters, Vanda oder eben Polarkreis 18 gewünscht werden, wenn man eine Tanzfläche beschallt. Die neue Hymne aus letzterem Hause jedoch wurde durchaus häufiger gewünscht. Und mir von Nicht-Subkultur-Freunden per Instant Message geschickt, die nicht aus Dresden kommen. Als ich das Video das erste Mal sah (von einem guten Freund zugeschickt) einigten wir uns sehr schnell auf sehr guten Pop, um das ganze zu beschreiben. Und, tatsächlich: Top 10. Auch wenn ich ein wenig sauer bin, dass ich mir heute Abend das Umsonstreleasekonzert in der Scheune nicht ankucken darf, weil doch tatsächlich zu viele hinwollen: Glückwunsch.

Polarkreis 18: Allein Allein (Und Major-Labels, embedden ist nicht böse!)

Ey, Finanzkrise! October 14th, 2008 Uncategorized 3 Kommentare

Das den Bänkern jetzt mal gezeigt wird, dass sie nicht nicht nur mit Spielgeld hantieren, ist ja eigentlich ganz OK. Aber dass ich jetzt darunter zu Leiden habe weil jetzt erstmal keine neuen Möbel — geschweige denn Mitarbeiter — gekauft werden, das nervt schon etwas.

Zurück. October 13th, 2008 Leben Kein Kommentar

Ich weiß ja nicht, wer dies überhaupt per Feed liest (andere werden sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf diese Seiten verirrt haben), aber es muss auch mal gesagt werden: Das Leben meint es gerade gut mit mir. Nicht in allen Belangen und Nuancen, die es zu bieten hat, aber ohne das Bittere wäre das Süße bekanntlich ja nicht so süß.

Um das ganze nicht in Romanform ausarten zu lassen wie die letzten drei Anläufe dieses Posts: Hier wird in nächster Zeit durchaus wieder häufiger etwas stehen. Und drückt mir für morgen früh bitte die Daumen.

Lost In Translation January 12th, 2008 Leben Kein Kommentar

Nochpräsident Bush bei einer Rede zu Soldaten, irgendwo in Nahost:

You’re looking good. Looks like you haven’t missed a meal…

Nun, das kann man durchaus zynisch finden angesichts der Zahl an Militärs, die in Blechkisten zurückkehren. Oder man kann es so übersetzen, wie es der Deutschlandfunk soeben tat:

Sie sehen gut aus. Sie haben wohl die Post verpasst?

Übersetzer werden wohl auch immer teurer.

Danke. Für die großartige Zeit. January 11th, 2008 Netzleben 1 Kommentar

Liebes tug,

es war schön mit Dir. Ich könnte jetzt über viele Momente reden, die ich mit Dir hatte, die Musik, die ich mit Dir teilte, die Verzweiflung, die ich durchaus des öfteren bei Dir auslassen durfte. Ich habe, nicht nur, aber auch, durch Dich fabelhafte Menschen kennengelernt. Menschen, die ähnlich kaputt und deswegen ähnlich toll sind wie ich. Menschen, mit denen ich Unmengen an Vodka trank. Menschen, mit denen ich Pizza aß. Und eines der tollsten Konzerte ever hörte. Menschen, die ich küsste. Menschen, die mir auch in der Ferne durchaus häufig nahe waren. Und auch die Menschen, die ich nicht küsste, mit denen ich keine Pizza aß und keinen Vodka trank. Die ich nur laß, und in dieser Trunkenheit — undb genau! — Denn darum ging es ja eigentlich, und deshalb war es jenes »genau«, das es so genau traf, worum es eigentlich ging.

Jedenfalls war heute wieder einer jener Abende, an denen man nach Hause kommt und eigentlich weiß, dass man das tuggen muss. Da sind Weisheiten, die ausgesprochen werden von den gar nicht Weisen, da gibt es diese tolle Frau, wie es sie immer gibt in den getuggten Geschichten, und da gibt es dieses große Ganze, die Freundschaften und all den Scheiß, der eigentlich erst zeigt, wer man ist, wo man hingeht und herkommt und sonstwas. Eigentlich auch egal, Hauptsache tuggbar.

Stefan, hey, kein Vorwurf, Du/Ihr habt tug zu dem gemacht, was es war, ein Tummelplatz voller Exzentriker des Webs, von großen Bekannten über die kleinen Verzweifelten bis zu den mittelgroßen Nervenden. Und wenn Du/Ihr sagt, dass Schluss ist, dann respektieren wir das, auch wenn wir natürlich sagen müssen, dass uns selten was mehr berührte als die Schließung von tug. Wenn wir nicht grade über ein Post eingeschlafen sind. Danke für den Fisch, und wir werden uns lesen, egal wo.

Universitätskoller November 13th, 2007 Leben 1 Kommentar

Gerade eben wurde ich bei der Frage nach dem Stuhl neben mir gesiezt — in der Unibibliothek. Von einem Studenten der unteren Semester, der Menschen wie mich (zweistellige Semesteranzahl) wohl schon für sexuell inaktiv, mindestens aber einen Dozenten hält. Heute mittag erklärte ich zwei überaus netten Studentinnen, wie denn die Aufladung der kreativ-lustig “E-Meal” genannten bargeldlosen Bezahleinheiten unserer Mensen funktionieren, und — natürlich — ich wurde gesiezt, was ich selbstverständlich auf die leicht französisch klingende Aussprache (und die darauf begründende Annahme der Herkunft) der Sprecherin zurückführe.

Ich gehe nicht mehr auf Unifeiern, finde die morgendliche Enge im Bus so schlimm, dass ich wahlweise eine halbe Stunde bei meinem Zeitplan abziehe oder hinzufüge, um einen Sitzplatz zu genießen, während der iPod die passende Begleitmusik für Regenwetter spielt. Morgens um sieben wanke ich nicht mehr aus der Kneipe, sondern gehe Laufen. Ich rede nicht laut in der Bibliothek, lerne nicht in der Cafeteria (um den älteren Semestern nicht die Kaffeetrinkplätze zu nehmen) und verspeise keine Nudelberge zum 1,48-Euro-Pauschalpreis, sondern wandere direkt zum asiatischen Lachsfilet, 2,45 Euro, Beilagen extra.

Dieses Prüfungsding könnte wirklich etwas schneller gehen.

2001/09/11 September 11th, 2007 Leben Kein Kommentar

Flieger. Ich war Flieger. Was grundsätzlich nicht mehr bedeutet, als dass ich seit weniger als drei Monaten bei der Luftwaffe meinen Wehrdienst ableistete. An diesem Tag jedoch bedeutete es deutlich mehr: Ich hatte geschworen, Deutschland und die NATO zu verteidigen, was bis zu diesem Tag eine äußerst absurde Handlung darstellte: Volker Rühe traf es einmal sehr genau, als er diesen Umstand mit folgenden Worten beschrieb: »Wir sind umzingelt von Freunden«. Nun waren sie — gefühlt — mitten unter uns.

Wir gingen nach Dienstschluss auf unsere Stube — ein recht großes, aber auch recht schäbiges Zimmer mit zwei Betten, zwei Schränken und einem Fernseher. Ich weiß nicht, was wir genau machten, aber kurz nach der Ankunft sagte Freund L., wir sollten den Fernseher anschalten. Was wir taten. Was wir sahen. Was wir nicht begriffen. Wir gingen auf eine andere Stube, um mit allen gemeinsam das fassungslose zu sehen, was dort vor sich ging. Und das, da waren wir uns unausgesprochen sicher, für unseren Dienst nichts gutes bedeuten konnte.

In unserem Gebäude wohnten viele Zeitsoldaten, die sich verpflichtet hatten, auch außerhalb des NATO-Gebiets eingesetzt zu werden. Aber auch für uns, die als »fein raus« tituliert wurden, war nicht klar, was die Konsequenz war — wir hatten noch knapp sieben Monate zu leisten, und jeder malte sich aus, was da noch alles passieren konnte. Konsequenzen? Ich erwähnte den aus dem Politik-Leistungskurs bekannten Bündnisfall. Deutschland hatte die Pflicht, einem angegriffen NATO-Partner zur Seite zu stehen. Da am Anfang noch wild spekuliert wurde, wer denn wirklich verantwortlich ist, wussten auch wir nicht, wer unser »Feind« denn war. Was die Sache nicht gerade schöner machte. Veränderung würde kommen, so weit war es klar. Aber zu welchem Maße? Wir rechneten mit langen Dienstzeiten, Auslandseinsätzen und, so banal es sich jetzt tippt: Krieg.

Es fing schon den Abend an: Diejenigen, die zur Wachreserve eingeteilt waren, mussten die Wache verstärken. Ein bis Dato einmaliger Vorgang, der sich zukünftig häufig wiederholen sollte. Am nächsten morgen kristallierte sich schon heraus, was für die Öffentlichkeit erst viel später bekannt wurde: Deutschland war Teil eines Bündnissystems und musste deshalb in einen Krieg eintreten, der einen Tag vorher noch undenkbar erschien. (Für Unbeteiligte vielleicht interessant zu wissen: Bevor ein Krieg richtig beginnt, muss logistische Vorarbeit geleistet werden, weshalb die Lufttransportgeschwader die ersten sind, die in Bewegung gesetzt werden — zusammen mit dem Kommando Spezialkräfte, das gewisse »diskrete Vorarbeiten« im Zielland zu erfüllen hat. So fanden sehr schnell »Übungen« statt, die die Errichtung einer Basis in der Nähe von Istanbul erforderten, die danach praktischerweise gleich weitergenutzt werden konnte.)

Die Befürchtungen, die wir hatten, sollten sich nicht bewahrheiten. Wir flogen Decken, Medikamente und Lebensmittel nach Afganistan. Und Soldaten. Und Politiker. Und Hilfskräfte. Keiner von uns wurde in kriegerische Handlungen verwickelt, viele von uns wurden dort begeistert empfangen. Es wurde gedankt, gefeiert und auf eine bessere Welt gehofft.

Ich weiß nicht, wann der Moment kam, dass aus Hoffnung Anst, aus Freude Hass und aus Willkommen Feindschaft wurde. Aber er kam. Sei es durch Soldaten, die Schädel als Fußbälle benutzten. Vielleicht auch, als der Irak angegriffen wurde. Als nach mehreren Monaten in den Ländern immer noch niemand Arabisch sprach. Als die »Befreier« sich nur noch in Panzern durch die Städte bewegten.

Leider jedoch gab es diesen Moment.

Nichtsdestotrotz: Die ersten Handlungen waren gut. Und richtig. Wir sollten sehr genau überlegen, was danach falsch gemacht wurde, um der Welt die Angst, Hysterie und bösartige Stimmung zu nehmen, die auf ihr liegt, damit wir uns wieder wirklich um sie kümmern können.

[Ich habe lange überlegt, wo ich am besten eine Rechtfertigung des Wehrdienstes einbaue. Und es dann bei diesem kleinen Abschnitt belassen: Ich glaube, dass der Dienst, den ich geleistet habe, unbedeutend war. Aber trotzdem in der Gesamtheit wichtig. Die Bundeswehr ist eine kritikwürdige, aber durchaus funktionierende Einheit in unserem politischen System, die bestimmte Maßnahmen (als Teil eines größeren Plans) ausführen vermag, wodurch bestimmte Ziele erreicht werden können, die sonst undenkbar erscheinen. Ob es einen Wehrdienst braucht, sei dahingestellt, eine Verankerung in einer breiten gesellschaftlichen Basis erscheint mir jedenfalls nicht die schlechteste Lösung.]

In mir broderts… nicht. August 9th, 2007 Netzleben Kein Kommentar

Mein lieber Henryk M.,

Ich könnte ja einiges Schreiben gegen deinen Artikel »Prekariat? Hier werden Sie geholfen!«. Ich könnte »Humanismus!« rufen, »soziale Errungenschaften!«, und Dir dann erklären, was das alles damit zu tun hat, das wir vielleicht kein neues 33 kriegen. Warum es Menschen gibt, denen geholfen werden sollte, und warum das Fehlen eines spöttischen Untertons in einer TV-Reportage gar nicht kritikwürdig ist. Aber ich glaube, unser beider Zeit (und Blutdruck!) ist besser getan damit, dass ich Dich jetzt wieder vor deinen Fernseher lasse, damit du auf FOX sehen kannst, wer als nächstes maltretriert gehört.

Du willst doch nur spielen, oder?

My Love To Admire June 26th, 2007 LebenMusik Kein Kommentar

Es ist dunkel. Die Luft ist warm und doch feucht, mein T-Shirt ist durchnässt. Meine rechte Hand wandert langsam zum rechten Auge, langsam genug, um den Augenblick nicht zu zerstören, und wischt eine Träne hinfort. Meine Ohren hören einen Ton. Monoton, stoisch. Er kommt von links vor mir, geschätzte 10 Meter. Dort steht Daniel Kessler, Hauptgitarrenbearbeiter bei den New Yorkern Interpol. Dazwischen einige hundert Dresdner Fans. Viele mit der berühmten Interpolträne im Auge. Währenddessen ertönt Paul Banks sonorer Gesang und malt Hymnen an die Wände des alten Schlachthofes. Die Präzision des Vortrages, wird später aus vielen Mündern kommen, sei unglaublich. Und tatsächlich: Die Stücke wirken noch präziser als auf den Alben, vielleicht weil sie direkter klingen, vielleicht auch, weil die gemeinsame Erfahrung der interpolesquen Tragik sie noch genauer erleben lässt.

Ein Freund diskutierte einmal mit mir über die Direktheit der Interpolschen Texte und weshalb er da Bands wie Bloc Party bevorzuge. Screw this, denke ich mir: Manches muss ausgesprochen, nicht nur gedacht werden.

Nach dem Konzert stehe ich da, eigentlich wie bei vielen Teile des Konzerts, andere könnten dies als teilnahmslos werten.

Ich bin mitgenommen. Im positiven Sinne.

Schon merkt man, dass Worte nicht ausreichen.

Bewegt. Was heißt das schon? Gerührt.

Und freue mich auf ein Album, wie ich mich in letzter Zeit immer seltener auf ein Album gefreut habe.

Buntes Dresden 2007 June 19th, 2007 Neustadt Kein Kommentar

Mein Experiment mit Herrn Twitter ging schief: Die Tasten sieben und * meines Mobiltelefons finden, dass nur wiederholtes Drücken ihre Aufmerksamkeit erfordert. Deshalb habe ich die nur sehr kurz geratenen Beiträge wieder herausgenommen, damit man sich hier wieder auf das konzentrieren kann, worauf es ankommt: Inhalt. Denn den hatte die Bunte Republik auch dieses Jahr.

Gefühlte weniger Besucher erlebten wieder ein zweigeteiltes Stadtteilfest: Auf der einen Seite die Stände aus vier Bierkisten und einem Brett, bei denen es Limettenbrause für 30 Cent gab, auf der anderen Seite den durchgestylten Radebergerwagen mit Bier für zweieinhalb Euro. Links die Punkband, die eine Akkustikcoverversion eines Ramonesklassikers vortrug. Rechts große Bühnen mit Tekknountermalung und ohne Herz. Oben Polizisten, deren Hightechanzüge jedes Jahr dicker werden, unten BRN-Ordner, die den Kindern die Wasserpistolen auffüllen.

Ich jedenfalls hatte Rund um die Talstraße und den Lutherplatz sowie auf diversen Hinterhoffestivitäten durchaus meinen Spass, der noch nicht einmal vom heftigen Regen Freitagnacht unterbrochen wurde.

Und zu den 50 militanten Linken, die am Samstag abend festgenommen wurden, kann man nur »recht so« sagen. Auch wenn jetzt eine Freundin von mir bei der Polizei registriert ist und Sonntag nicht wieder in die Neustadt einreisen durfte. Aber klar ist, dass sie sich schuldig machte: Sie wollte nach Hause. Wie ca. die Hälfte der Festgenommenen auch. Und sie trug, so weit ich weiß, einen Ringelpullover, den man nur schwerlich mit einem Stein verwechseln konnte. Aber das nur am Rande…

(Update: Drüben bei »Die Neustadt« gibt es mehr.)