My Love To Admire
Es ist dunkel. Die Luft ist warm und doch feucht, mein T-Shirt ist durchnässt. Meine rechte Hand wandert langsam zum rechten Auge, langsam genug, um den Augenblick nicht zu zerstören, und wischt eine Träne hinfort. Meine Ohren hören einen Ton. Monoton, stoisch. Er kommt von links vor mir, geschätzte 10 Meter. Dort steht Daniel Kessler, Hauptgitarrenbearbeiter bei den New Yorkern Interpol. Dazwischen einige hundert Dresdner Fans. Viele mit der berühmten Interpolträne im Auge. Währenddessen ertönt Paul Banks sonorer Gesang und malt Hymnen an die Wände des alten Schlachthofes. Die Präzision des Vortrages, wird später aus vielen Mündern kommen, sei unglaublich. Und tatsächlich: Die Stücke wirken noch präziser als auf den Alben, vielleicht weil sie direkter klingen, vielleicht auch, weil die gemeinsame Erfahrung der interpolesquen Tragik sie noch genauer erleben lässt.
Ein Freund diskutierte einmal mit mir über die Direktheit der Interpolschen Texte und weshalb er da Bands wie Bloc Party bevorzuge. Screw this, denke ich mir: Manches muss ausgesprochen, nicht nur gedacht werden.
Nach dem Konzert stehe ich da, eigentlich wie bei vielen Teile des Konzerts, andere könnten dies als teilnahmslos werten.
Ich bin mitgenommen. Im positiven Sinne.
Schon merkt man, dass Worte nicht ausreichen.
Bewegt. Was heißt das schon? Gerührt.
Und freue mich auf ein Album, wie ich mich in letzter Zeit immer seltener auf ein Album gefreut habe.