Archive for the ‘Musik’ Category

My Love To Admire

Tuesday, June 26th, 2007

Es ist dunkel. Die Luft ist warm und doch feucht, mein T-Shirt ist durchnässt. Meine rechte Hand wandert langsam zum rechten Auge, langsam genug, um den Augenblick nicht zu zerstören, und wischt eine Träne hinfort. Meine Ohren hören einen Ton. Monoton, stoisch. Er kommt von links vor mir, geschätzte 10 Meter. Dort steht Daniel Kessler, Hauptgitarrenbearbeiter bei den New Yorkern Interpol. Dazwischen einige hundert Dresdner Fans. Viele mit der berühmten Interpolträne im Auge. Währenddessen ertönt Paul Banks sonorer Gesang und malt Hymnen an die Wände des alten Schlachthofes. Die Präzision des Vortrages, wird später aus vielen Mündern kommen, sei unglaublich. Und tatsächlich: Die Stücke wirken noch präziser als auf den Alben, vielleicht weil sie direkter klingen, vielleicht auch, weil die gemeinsame Erfahrung der interpolesquen Tragik sie noch genauer erleben lässt.

Ein Freund diskutierte einmal mit mir über die Direktheit der Interpolschen Texte und weshalb er da Bands wie Bloc Party bevorzuge. Screw this, denke ich mir: Manches muss ausgesprochen, nicht nur gedacht werden.

Nach dem Konzert stehe ich da, eigentlich wie bei vielen Teile des Konzerts, andere könnten dies als teilnahmslos werten.

Ich bin mitgenommen. Im positiven Sinne.

Schon merkt man, dass Worte nicht ausreichen.

Bewegt. Was heißt das schon? Gerührt.

Und freue mich auf ein Album, wie ich mich in letzter Zeit immer seltener auf ein Album gefreut habe.

Danke, Alitalia.

Monday, April 10th, 2006

Für zwei Tage auf den Beinen, für den Streik, fürs Nichtgeben von Essen, Trinken, Decken und, ganz besonders, für die Müdigkeit am Samstag abend, so dass ich das hier nicht sehen durfte. Und dabei wusste ich schon immer, dass es die Weakerthans sind. (Lustige Parallele: Das Weakerthanskonzert damals, was wohl nur großartig gewesen sein konnte, habe ich damals auch durch anderer Leute Fehler verpasst).

Aber es bleibt ja die Musik.

(Tomte meinen auch: »So soll es sein«.)

Gedanken zur Kulturflatrate

Sunday, February 26th, 2006

Danke, René, für diesen wundervollen Text, auch wenn ich ihm in den Konsequenzen, die Du ziehst, nicht ganz folgen kann. Sicher, da ist einiges faul im System, wie Johnny schrieb, wie man lesen und auch fühlen kann. Und das überall, nicht nur im Bereich Musik, der aber natürlich für uns, die das anspricht, sehr präsent ist.

Aber löst eine Kulturflatrate wirklich die Probleme? Schafft sie vielleicht auch neue?

Nehmen wir zum einen die Verteilung der Musik. Diese müsste, um die Registrierung der Musikstücke vorzunehmen, relativ zentral (etwa P2P mit Servern) geschehen. Dabei wird es nicht möglich sein, jedwedes Format anzubieten, so dass wohl nur 3-5 Formate (sagen wir mal, optimistisch wie wir sind: MP3, Ogg Vorbis, AAC, WMA) in durchschnittlicher Größe (192kbit?). Was aber, wenn ich ein anderes Format will? Etwas fortschrittliches, vielleicht mehr als Stereo? Evolution ist hier wohl schwerlich möglich, weil ja keine Konkurrenz mehr da ist.

Gehen wir weiter zur Verteilung der Einnahmen: Durch die zentral erfassten Downloadzahlen werden die Gelder gerecht verteilt. Das ist jetzt aber nicht anders, abgesehen davon, dass die Musikindustrie vielleicht in viel kleinerem Maße beteiligt wäre. Bei ähnlichem Marketing werden weiterhin Shakira, P. Diddy und Coldplay den Großteil der Gelder machen, nicht Calexico, Clap Your Hands Say Yeah, les Mercredis oder, im großen, die Arctic Monkeys. Denn die sind alle unglaublich gut, authentisch, genial und (sagte ich es schon?) gut. Aber eben auch (und grade deswegen gut) etwas sperrig, schräg und nicht massenkompatibel, weil sie nicht auf Raabs Couch, Tommys Sofa oder MTVivas Schirm passen, nicht nebenher beim Kreuzworträtsellösen gehört werden wollen und sich nicht zur Untermalung eines Liebesfilms eignen (Wir wissen, das dem nicht so ist. Aber sie doch nicht.).

Apropos Einnahmen: Wie sehen die aus? Auf den Fairsharingseiten liest man etwas von rund fünf Euro im Monat. Wohl gemerkt: Von allen Netzteilnehmern, eingesammelt von einer Mammutbehörde a là GEZ (siehe unten). Macht 40 Mio. × 5 € = 800 M€ 2003 hatte die Industrie noch 1650 M€ Umsatz. Wie viele Leute kaufen aber noch (agesehen von uns Vinyl-Liebhabern) Tonträger, wenn sie legal und sehr einfach (so muss das System sein, um nicht ungerecht zu werden) alles aus dem Netz ziehen können. Ach so: Filme und Texte sind da noch gar nicht drin. Sprich: Es wird viel weniger Geld an die Künstler verteilt, und das nach einem Schlüssel, der für die uns sympathischen nicht unbedingt besser wird.

Vielleicht ja sogar schlechter — denn wenn die Industrie schon bei so etwas mitmachen würde, ließe sie es sich wohl kaum nehmen, an der Verteilung der Stücke die Finger mit im Spiel zu haben. Das sähe zum Beispiel so aus, dass amazonescque Empfehlungen in bestimmte Richtungen gehen würden, die den Konzernen eher genehm sind. Vielleicht müssten sie das noch nicht einmal tun: Man konnte das schon an den Verkaufscharts bei dem eben genannten Amazon sehen, dass der Mainstream diese stark verändert.

Was für neue Probleme würde die Kulturflatrate schaffen? Allen voran wohl eine GEZ-ähnliches Monstrum von Behörde, das die Gelder verteilt und zu einem gewissen Anteil auch gleich wieder verschlingt. Auf der einen Seite wehren wir uns gegen die GEZ, wo wir nur können, zum anderen wollen wir gleich eine neue schaffen — kaum konsistent.

Sicher würde ich mich freuen, wenn ich statt der ca. 50-80 Euro, die ich im Monat für Schallplatten ausgebe, diese Summe auf ein Zehntel zurückführen könnte. Das bedeutet aber, dass andere für die Differenz aufkommen müssten. Leute wie meine Eltern, die sich fast nie Musik kaufen, weil ihnen das Radio, für das sie ja Gebühren zahlen, vollkommen ausreicht. Die Ihr Geld vielleicht lieber für den Tennisverein, Ihre Fahrräder oder das Theater ausgeben — und jetzt von dem Geld etwas abzwacken müssten, um meinen Musikkonsum zu kompensieren.

Das alles ist aus meiner Sicht ein Angleichen auf unterem Niveau, das Innovation, Individualität und Kreativität eher unterdrückt als fördert. Sozialismus im kleinen, sozusagen. Gut gemeint, gut gedacht, aber real würde es schiefgehen, da bin ich mir sicher. Das das System in Schieflage geraten ist, ist vollkommen klar — aber die Kulturflatrate, nein, die kann keine Lösung sein.

(Gestern beim Hard-Fi-Konzert gewesen, und »Living For The Weekend« war Highlight und Schlusspunkt zugleich. Später wohl mehr dazu.)

Fehlsichtige Farben

Friday, February 24th, 2006

Michael Schuh hat für laut.de Peter Hein, Sänger der Fehlfarben, interviewt.

Der Mann ist Popgeschichte, hat zumindest mit »Es geht voran« Tausende von Adressaten verwirrt und viel, viel Musik aufgenommen. Heutzutage ist er nur noch Geschichte, selber verwirrt und hat viel, viel Musik aufgenommen. Wollen wir uns das Interview mal angucken:

»Ich besitze nach wie vor keine Platten von denen.«

Sagt er im Bezug auf Tocotronic. Ein paar Zeilen weiter unten:

»Q: Wie stehst du dann zu antinationalistischen Statements wie “Aber Hier Leben, Nein Danke”? Distinktion ist ja erstmal nichts Schlechtes.

A: Ja gut weißte, die machen jetzt halt das, was mir de facto irgendwie schon 1985 auf den Keks gegangen ist.«

Merke: Wir laden uns nen Künster auf ein Album ein, um mit dem Werbung machen zu können. Dann haben wir, immerhin »professionell« im Musikgeschäft, noch nie was von Tocotronic gehört. Ach so, aber das was die machen, auch wenn wir es nicht kennen, das geht uns gehörig auf den Keks.

»Sarah Kuttner sagt mir jetzt zum Beispiel nix. Musikfernsehen hat sich meines Wissens ja selber abgeschafft.«

Obwohl er da ja prinzipiell Recht hat: Über etwas reden, das man gar nicht kennt, geht mal gar nicht.

Zusammenfassung: Er lästert über die Leute, die zu ihrem »26 1/2« beitragen, spricht von stressigen Aufnahmen, wenn er grade bei dreien dabei war, und tut so, als ob letztendlich allein die Fehlfarben einen Platz auf dem Olymp verdient haben.

Gibt es eigentlich ein Gen, dass aus Musikern nach 25 Jahren Bühnenpräsenz selbstreferentielle Wichtigtuer ohne Ahnung macht?

(Die Sterne freuen sich schon aufs neue Album: »Widerschein«.)

Planetakis (oder warum man… ach nee)

Wednesday, February 22nd, 2006

Manchmal hat der Herr Shhh die gleichen Ideen wie ich — oder besser: umgedreht. We Are Schientists, die wollte ich mir gestern eigentlich in Berlin angucken, doch die Zeit hat mal wieder nicht gereicht, und wahrscheinlich war es auch gut so. Denn als Vorgruppe waren Planetakis mit dabei, das neue Projekt der Gitarrengesangsfraktion von den so unglaublich verehrungswürdigen Angelika Express. Und wo Herr Shhhh noch Milde walten lässt (gut, das pinke Bügelbrett ist hart…), hauen die Plattentester noch mal richtig drauf: »Den Schwenk zum Powerschlager kann man so ohne Erklärung dagegen schon nicht mehr hinnehmen.«. Und haben Recht, wenn man sich alleine die vier Stücke auf MySpace anhört. Die Welt braucht das nicht. Was die Welt braucht, ist zum Beispiel eine Top 5 der besten Angelika-Express-Stücke. Die gabs mal, wie ein Trackback bei der Freakshow beweist. Und ist jetzt weg, dank meiner genialen Datenbankreinigungsfähigkeiten. Es ist Zeit für mich zu gehn.

(Ich wär so gerne wie »Francois Truffaut«. Rest in peace, werte Angelika.)

[Entf]

Wednesday, February 1st, 2006

Diese Taste sollte man wirklich lieben lernen. Wahlweise auch [< -] die hier, aber bei [Entf] kann man viel besser auf die Bedeutung schließen.

Jedenfalls ist es ungeheuer befreiend, einen Eintrag zu schreiben, sich diesen nocheinmal durchzulesen und festzustellen, dass manchmal weniger einfach das neue mehr ist. Ich könnte jetzt noch ne Menge über Statistiken, Vielleser und Schadefinden schreiben, aber irgendwie finde ich die Sonne grade spannender.

Einen schönen Tag noch!

(Schnell noch aus dem gelöschten Wiederhergestellt: Clap Your Hands Say Yeah spielen mit »Details Of The War« ein Lied, das irgendwie an Dylan erinnert. Irgendwie auch an Arcade Fire. Und eigentlich nicht verglichen, sondern vielmehr gehört werden sollte.)

Mittwochs

Saturday, January 14th, 2006

…, die: iTunes sagt »Alternative & Punk«, ich sage Indieelektropop at its best. Zumindest was ich bis jetzt von Les Mercredis gehört habe. Das fiebt, knarzt und spreizt sich möglichst breit aus, um trotzdem in den Ohren zu landen.

Sicher: das Brett ist breit, ja zu breit, um durch jedermanns Türen respektive Lautsprecher respektive Gehörgänge zu passen. Aber für wen das etwas ist (und das ist es bei mir gar nicht unbedingt. Hier aber eben schon.), der sollte sich »Lächeln kostet extra.« wirklich besorgen, denn er kauft damit nicht nur der Band nen paar Bier, sondern auch sich selbst eine Freude.

Kostproben gibts auf der Webseite genug, von daher von meiner Seite aus nur ein »anhören, gut finden, kaufen, besser finden«.

Großartig und nochmal Danke, Herr Shhhh..

(Im Moment läuft grade »Mindestens haltbar«, bei dessen Remix ich grandios versagte. Aber Ihr könnt das eh viel besser!)

Weiße Effektgeräte

Monday, April 11th, 2005

… und ein ausverkaufter Schlachthof. Fünf Personen (anfangs noch in) weißen Jackets, die ihre Instrumente bedienen können. Schreien, Posen, Springen, Tanzen. The Hives mit einem durchweg ansprechenden Konzert. Alles deutet darauf hin, das das (oder besser: die) kein Kunstprodukt sind, sondern für das stehen, was sie machen. Und sei es der Style der Effektgeräte: Das Design eines Bassverstärkers wurde sonst höchstens verändert, wenn der Marshall-Schriftzug mit Panzertape abgeklebt werden musste.

Klar, pop (wobei ich da ja kein expliziter Gegner bin). Klar, es gab besseren Schweden Rock letztes Jahr (zumindest abwechslungsreicher). Aber doch ein überzeugendes Konzert, stylische Ansagen, gute Musik, ein nettes (jung (manchmal zu), 60% w) Publikum und ein durchweg gelungener Abend. Gerne wieder.

(Wiederum The Hives mit a.k.a. I.D.I.O.T. beenden den Abend.

Mitgeklatscht

Saturday, February 12th, 2005

Mal abgesehen davon, was man von a) Jahrzehnte-Shows und b) Bands, die darin ihren einzigen Hit spielen müssen halten mag:

Eben grade beim Zappen auf Liquido mit „Narcotic“ (gutes Lied, nur leider kam danach nichts mehr…) in der 90er-Show gestoßen. Was bitte veranlasst diese grenzdebilen Deppen, die sich für Tierversuche Plätze in einer solchen Show freiwillig melden, nur weil sie erkannt haben, in welchem Takt das gespielte Lied ist, den auch die ganze Zeit durchzuklatschen? Besonders groß bei den ruhigen Teilen. Ihr seid herzallerliebst!

(Kettcar mit „Skateboard“ – mit Dank dem edlen Spender!)

Stock gereicht

Thursday, February 10th, 2005

Ja, es scheint, dass jeder Stock weitergereicht wird, an jeden, der irgendwie in der Gegend rumsteht. Aber ich mache natürlich mit, auch wenn ich ja nicht wirklich ein Mitglied der Blogosphäre bin…

1. Gesamte Musik auf dem Computer:

iTunes sagt: Viel. Aber: Auch viele CDs, ca. 10 Schallplatten (Green Hell soll endlich ausliefern…). Und: von meinen „Top 30 Artists“ habe ich von 25 mindestens ein Medium. Von manchen auch mehr: (Oasis, R.E.M.: Alle regulären Alben + jeweils ein BestOf/B-Seiten-Album)

2. Zuletzt gekaufte CD

Puh. Das ist wohl Slut oder Kante. Die letzten gekauften Platten sind die neue Trail of Dead, Tocotronic und Mando Diao.

3. Zuletzt gehörtes Lied

Die White Stripes mit Hypnotized.

4. Fünf Lieder, die viel Bedeutung für mich haben und die ich häufig höre

Hm. 1. Frontier Psychatrist von den Avalanches. Da hat mich „31 Songs“ von Nick Hornby drauf gebracht. Großartig.

Bei 2. ists wohl Bullet with Butterfly Wings von den Pumpkins (Jugend, aber immer noch geil)

Nr. 3. Irgendwas von Mando Diao. Die haben mich in letzter Zeit so begeistert, dass der Platz eindeutig verdient ist.

Nr. 4. sind R.E.M. mit Strange Currencies. Meist gespieltes Lied. Und das wird wohl auf ewig so bleiben.

Tja, und die Numero 5 ist: Zu schwer. Es könnten die Beatles sein (Lebenswerk), Blur, Nirvana… Es gibt einfach zu viele. Halt! Doch: Oasis, Champagne Supernova.

Alles völlig subjektiv, ich hab 10 Künstler vergessen etc. pp.

5. Weitergeben: Drei Personen, warum?

Tja. Von einigen wüsste ichs gerne, von einigen weiss ich eh viel, und viele, von denen ichs gern wüsste, lesen dass hier nicht. Also völlig subjektiv:
- Lena – mit kaum jemandem unterhalte ich mich mehr über Musik
- Jan – damit er weiss, dass ich da auch mitlese
- Schuer – damit das Schwein mal gefüttert wird. Und: ich will wissen, wie er das hier in 10 Zeilen schafft.

(Puh. Genug Musik.)