Archive for the ‘Leben’ Category

Lost In Translation

Saturday, January 12th, 2008

Nochpräsident Bush bei einer Rede zu Soldaten, irgendwo in Nahost:

You’re looking good. Looks like you haven’t missed a meal…

Nun, das kann man durchaus zynisch finden angesichts der Zahl an Militärs, die in Blechkisten zurückkehren. Oder man kann es so übersetzen, wie es der Deutschlandfunk soeben tat:

Sie sehen gut aus. Sie haben wohl die Post verpasst?

Übersetzer werden wohl auch immer teurer.

Universitätskoller

Tuesday, November 13th, 2007

Gerade eben wurde ich bei der Frage nach dem Stuhl neben mir gesiezt — in der Unibibliothek. Von einem Studenten der unteren Semester, der Menschen wie mich (zweistellige Semesteranzahl) wohl schon für sexuell inaktiv, mindestens aber einen Dozenten hält. Heute mittag erklärte ich zwei überaus netten Studentinnen, wie denn die Aufladung der kreativ-lustig “E-Meal” genannten bargeldlosen Bezahleinheiten unserer Mensen funktionieren, und — natürlich — ich wurde gesiezt, was ich selbstverständlich auf die leicht französisch klingende Aussprache (und die darauf begründende Annahme der Herkunft) der Sprecherin zurückführe.

Ich gehe nicht mehr auf Unifeiern, finde die morgendliche Enge im Bus so schlimm, dass ich wahlweise eine halbe Stunde bei meinem Zeitplan abziehe oder hinzufüge, um einen Sitzplatz zu genießen, während der iPod die passende Begleitmusik für Regenwetter spielt. Morgens um sieben wanke ich nicht mehr aus der Kneipe, sondern gehe Laufen. Ich rede nicht laut in der Bibliothek, lerne nicht in der Cafeteria (um den älteren Semestern nicht die Kaffeetrinkplätze zu nehmen) und verspeise keine Nudelberge zum 1,48-Euro-Pauschalpreis, sondern wandere direkt zum asiatischen Lachsfilet, 2,45 Euro, Beilagen extra.

Dieses Prüfungsding könnte wirklich etwas schneller gehen.

2001/09/11

Tuesday, September 11th, 2007

Flieger. Ich war Flieger. Was grundsätzlich nicht mehr bedeutet, als dass ich seit weniger als drei Monaten bei der Luftwaffe meinen Wehrdienst ableistete. An diesem Tag jedoch bedeutete es deutlich mehr: Ich hatte geschworen, Deutschland und die NATO zu verteidigen, was bis zu diesem Tag eine äußerst absurde Handlung darstellte: Volker Rühe traf es einmal sehr genau, als er diesen Umstand mit folgenden Worten beschrieb: »Wir sind umzingelt von Freunden«. Nun waren sie — gefühlt — mitten unter uns.

Wir gingen nach Dienstschluss auf unsere Stube — ein recht großes, aber auch recht schäbiges Zimmer mit zwei Betten, zwei Schränken und einem Fernseher. Ich weiß nicht, was wir genau machten, aber kurz nach der Ankunft sagte Freund L., wir sollten den Fernseher anschalten. Was wir taten. Was wir sahen. Was wir nicht begriffen. Wir gingen auf eine andere Stube, um mit allen gemeinsam das fassungslose zu sehen, was dort vor sich ging. Und das, da waren wir uns unausgesprochen sicher, für unseren Dienst nichts gutes bedeuten konnte.

In unserem Gebäude wohnten viele Zeitsoldaten, die sich verpflichtet hatten, auch außerhalb des NATO-Gebiets eingesetzt zu werden. Aber auch für uns, die als »fein raus« tituliert wurden, war nicht klar, was die Konsequenz war — wir hatten noch knapp sieben Monate zu leisten, und jeder malte sich aus, was da noch alles passieren konnte. Konsequenzen? Ich erwähnte den aus dem Politik-Leistungskurs bekannten Bündnisfall. Deutschland hatte die Pflicht, einem angegriffen NATO-Partner zur Seite zu stehen. Da am Anfang noch wild spekuliert wurde, wer denn wirklich verantwortlich ist, wussten auch wir nicht, wer unser »Feind« denn war. Was die Sache nicht gerade schöner machte. Veränderung würde kommen, so weit war es klar. Aber zu welchem Maße? Wir rechneten mit langen Dienstzeiten, Auslandseinsätzen und, so banal es sich jetzt tippt: Krieg.

Es fing schon den Abend an: Diejenigen, die zur Wachreserve eingeteilt waren, mussten die Wache verstärken. Ein bis Dato einmaliger Vorgang, der sich zukünftig häufig wiederholen sollte. Am nächsten morgen kristallierte sich schon heraus, was für die Öffentlichkeit erst viel später bekannt wurde: Deutschland war Teil eines Bündnissystems und musste deshalb in einen Krieg eintreten, der einen Tag vorher noch undenkbar erschien. (Für Unbeteiligte vielleicht interessant zu wissen: Bevor ein Krieg richtig beginnt, muss logistische Vorarbeit geleistet werden, weshalb die Lufttransportgeschwader die ersten sind, die in Bewegung gesetzt werden — zusammen mit dem Kommando Spezialkräfte, das gewisse »diskrete Vorarbeiten« im Zielland zu erfüllen hat. So fanden sehr schnell »Übungen« statt, die die Errichtung einer Basis in der Nähe von Istanbul erforderten, die danach praktischerweise gleich weitergenutzt werden konnte.)

Die Befürchtungen, die wir hatten, sollten sich nicht bewahrheiten. Wir flogen Decken, Medikamente und Lebensmittel nach Afganistan. Und Soldaten. Und Politiker. Und Hilfskräfte. Keiner von uns wurde in kriegerische Handlungen verwickelt, viele von uns wurden dort begeistert empfangen. Es wurde gedankt, gefeiert und auf eine bessere Welt gehofft.

Ich weiß nicht, wann der Moment kam, dass aus Hoffnung Anst, aus Freude Hass und aus Willkommen Feindschaft wurde. Aber er kam. Sei es durch Soldaten, die Schädel als Fußbälle benutzten. Vielleicht auch, als der Irak angegriffen wurde. Als nach mehreren Monaten in den Ländern immer noch niemand Arabisch sprach. Als die »Befreier« sich nur noch in Panzern durch die Städte bewegten.

Leider jedoch gab es diesen Moment.

Nichtsdestotrotz: Die ersten Handlungen waren gut. Und richtig. Wir sollten sehr genau überlegen, was danach falsch gemacht wurde, um der Welt die Angst, Hysterie und bösartige Stimmung zu nehmen, die auf ihr liegt, damit wir uns wieder wirklich um sie kümmern können.

[Ich habe lange überlegt, wo ich am besten eine Rechtfertigung des Wehrdienstes einbaue. Und es dann bei diesem kleinen Abschnitt belassen: Ich glaube, dass der Dienst, den ich geleistet habe, unbedeutend war. Aber trotzdem in der Gesamtheit wichtig. Die Bundeswehr ist eine kritikwürdige, aber durchaus funktionierende Einheit in unserem politischen System, die bestimmte Maßnahmen (als Teil eines größeren Plans) ausführen vermag, wodurch bestimmte Ziele erreicht werden können, die sonst undenkbar erscheinen. Ob es einen Wehrdienst braucht, sei dahingestellt, eine Verankerung in einer breiten gesellschaftlichen Basis erscheint mir jedenfalls nicht die schlechteste Lösung.]

My Love To Admire

Tuesday, June 26th, 2007

Es ist dunkel. Die Luft ist warm und doch feucht, mein T-Shirt ist durchnässt. Meine rechte Hand wandert langsam zum rechten Auge, langsam genug, um den Augenblick nicht zu zerstören, und wischt eine Träne hinfort. Meine Ohren hören einen Ton. Monoton, stoisch. Er kommt von links vor mir, geschätzte 10 Meter. Dort steht Daniel Kessler, Hauptgitarrenbearbeiter bei den New Yorkern Interpol. Dazwischen einige hundert Dresdner Fans. Viele mit der berühmten Interpolträne im Auge. Währenddessen ertönt Paul Banks sonorer Gesang und malt Hymnen an die Wände des alten Schlachthofes. Die Präzision des Vortrages, wird später aus vielen Mündern kommen, sei unglaublich. Und tatsächlich: Die Stücke wirken noch präziser als auf den Alben, vielleicht weil sie direkter klingen, vielleicht auch, weil die gemeinsame Erfahrung der interpolesquen Tragik sie noch genauer erleben lässt.

Ein Freund diskutierte einmal mit mir über die Direktheit der Interpolschen Texte und weshalb er da Bands wie Bloc Party bevorzuge. Screw this, denke ich mir: Manches muss ausgesprochen, nicht nur gedacht werden.

Nach dem Konzert stehe ich da, eigentlich wie bei vielen Teile des Konzerts, andere könnten dies als teilnahmslos werten.

Ich bin mitgenommen. Im positiven Sinne.

Schon merkt man, dass Worte nicht ausreichen.

Bewegt. Was heißt das schon? Gerührt.

Und freue mich auf ein Album, wie ich mich in letzter Zeit immer seltener auf ein Album gefreut habe.

Tell me why I don’t like Geldof

Friday, June 1st, 2007

Ich könnte jetzt viel schreiben dazu, wie man es finden kann, dass Bob Geldof für die Bild den Chefredakteur mimt. Oder ich lasse es andere machen.

Es gäbe viel zu sagen darüber, dass Herr Geldof schon mit Live 8 eher ins Klo griff. Aber ich traue Damon Albarn durchaus zu, das besser zu machen als ich.

Interessant wäre sicherlich auch darüber zu diskutieren, ob Entwicklungshilfe wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Zum Beispiel mit James Shikwati.

Was aber ist meine Rolle? Auf dem politischen Kompass wird meine Nadel wohl nach Nordwesten ausschlagen, denn Westen ist ja bekanntlich links. Ich will mich aber nicht hinstellen und sagen, dass Heiligendamm zur Zeit von Brackwasser besucht wird. Ich finde es gut, wenn sich die größten Gläubiger von Staaten der dritten Welt treffen, um zu beraten, wie mit den Schuldnern umzugehen ist und wie man ihnen das Leben besser machen könnte. Ich finde es gut, wenn die größten CO2-Produzenten darüber beratschlagen, wie sie ihren Ausstoß vermindern können. Und ein Treffen der größten Volkswirtschaften, um die Finanzströme dieser Welt transparenter zu gestalten, wer könnte da was dagegen haben?

Sicher, verbindliches wird wohl nicht dabei herauskommen. Aber ist es nicht schon ein gewaltiger Fortschritt, dass überhaupt über diese Themen geredet wird?

Ach ja, wir wollen Taten sehen. Aber komme diese schneller, wenn Heiligendamm weiterhin das kleine Schwimmbad mit großem Golfplatz bliebe? Oder sollte man sich zuallererstmal über diese Dinge unterhalten?

Tag der Befreiung.

Tuesday, May 8th, 2007

Es regnet, die Wolken hängen tief und ein immanent vorhandenes Gefühl der Gräue liegt über der Stadt. Der 8. Mai 1945, Deutschland hat den Krieg verloren, wurde von den Alliierten von einem tyrannischen Regime befreit, dem es selbst ziemlich bedingungslos gefolgt ist.

Der 8. Mai 2007. 62 Jahre ist es her, dass sowjetische Panzer in Ost- und angloamerikanische in Westdeutschland einrollten.

Ich lebe in einer Stadt, deren Schicksal wohl durchaus häufiger als Symbolbild dieses Krieges missbraucht wird. Einmal im Jahr, am 13. Februar, kommen die Sympathieträger aus dem Umland zusammen, um Kränze an die Heldengräber ihrer Urgroßeltern zu bringen.

Einmal im Jahr kommen dann unter dem Banner des »Aufstandes der Anständigen« die anderen zusammen, um zu zeigen, dass sie gegen diese Art der Sympathiebekundigung sind. Man beglückwünscht sich dann im Anschluss dazu, dass man die zehnfache Menge an Personen aufgeboten hat, und freut sich, dass man abschließend noch die Opfer dieser schrecklichen Bombennächte betrauern darf.

Zeitsprung: Ostern, in einer südniedersächsischen Kleinstadtkneipe sitzen 30 Männer und 6 Frauen, um Fußball zu kucken. Ein schwarzer Spieler übersieht beim Fallen, dass er dazu ja eigentlich keinen Grund hatte, und provoziert so einen Freistoß gegen die Mannschaft, die von der Mehrheit der Kneipenbesucher favorisiert wird. »Hat wohl zu Hause noch nicht mal richtig laufen gelernt. Obwohl: Ist ja eigentlich das einzige, was die können.« Ich drehe mich um. Man sieht einige Menschen den Kopf schütteln. Andere lächeln, viele beides. Hätte ich was gesagt, wäre ein »weißt’ doch, wie ich das meine« gekommen.

Zeitsprung: Drei Jahre wird es inzwischen schon her sein. In einem Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe sitzt ein älterer vietnamesischer Mann auf einem Doppelsitz, den zwei Anhänger des örtlichen Fußballvereins als den ihrigen beanspruchen. Schließlich haben sie ihn ja bezahlt, »mit unseren Steuern«, während der Vietnamese ihnen die Arbeit wegnahm. Wären die anderen Menschen auch aufgestanden, wenn ich nicht zuerst hingegangen wäre?

Heute, am 8. Mai 2007, sitze ich in der Mensa, es kommt mir ein junger Student mit Cw-optimierter Frisur entgegen. »Great White« steht oben in großen weißen Lettern auf tiefschwarzen Grund geschrieben, sehr klein unter einem Logo: »Polar Bear«. Wenn man also kein »lo« und »le« unter der Jacke verbergen darf, dann also Polarbären.

Manchmal denke ich, die Welt braucht mehr als Stolpersteine.

Europäer

Friday, March 23rd, 2007

Identität, so der Mann mit den Lustigen URLs, sei das nächste große Ding. Aber um OpenID soll es an dieser Stelle gar nicht gehen (ein Vortrag meinerseits zu dem Thema ist in Arbeit, wird aber wohl nur Informatikstudenten der TU Dresden beglücken), sondern um die Frage der eigenen Herkunft, die zumindest stückweise ausmacht was man ist.

Dresdner bin ich, wenn ich auf die Frage antworte, wo ich herkomme. Außer, ich bin in Dresden, dann bin ich Einbecker, nicht qua Internetpseudonym, sondern Geburts- und Volljährigwerdestadt. Deutscher? Sicher, steht im Pass, auch wenn ich das trotz Trikottragens während der WM eine äußerst komische Definition finde. Ist ein Schleswiger auch ein bisschen Däne, weil er ja immerhin nur 50 Kilometer entfernt wohnt? Bin ich mehr Niederländer als Bayer? Wenn ich im Flugzeug über England geboren bin, bin ich Brite, aber wenn meine Eltern Türken sind, seit Jahren in Deutschland leben und ich in Deutschland geboren werde, bin ich Türke. Und damit auch nicht interessant, wenn es zum Beispiel um die Gefangennahme im Rechtsfreien Raum geht.

Staatsbürgerschaft kann somit kein Merkmal der Identität sein — höchstens umgekehrt, wenn es ein gutes Staatsbürgerschaftsrecht gäbe. Worüber können wir uns dann definieren? Die klassischen drei Antworten: Tradition. Werte. Und Kultur. Womit wir auch schon beim Kulturkreis und der Wertegemeinschaft angelangt sind.

Denn: Reist man nach Italien, versteht man (ich) kein Wort der dortigen Sprache. Man kann sich dennoch problemlos verständigen. Das ist von Portugal bis ans Nordkapp, von Irland bis zum Ural grundsätzlich ähnlich. Reist man dann nach China, erlebt man einen Kulturschock, der sich gewaschen hat. Der Europäische Kulturkreis hat sich sozusagen um einen geschlossen, da kann man nichts machen.

Und: Diskutieren sie nicht mit Amerikanern über Wahlrecht oder Todesstrafe. Sie werden sich gegenseitig nicht verstehen.

Man merkt also: Da ist eine Grenze, eine dünne, schwammige Grenze, aber sie ist da. Allerdings so ungenau, dass sie sich durchaus auch nichtexistent oder hochkomprimiert daliegen kann (Was sich Richtung Amerika und Afrika noch erklären lässt: Vor 300 Jahren hat da einer mit (wasserlöslichem) Stift mal eine rote Linie durch die Meere gezeichnet. Klar, das die jetzt etwas verschwommen ist.).

Zurück zu meiner Identität, denn darum soll es hier ja eigentlich gehen (und auch wenn ich selbstverständlich Anderes von mir glaube: ich bin weder Philosoph, Friedenstheoretiker noch Politiker): Was bin ich? Nun, die Antwort gebe ich schon ganz oben: Europäer. Ich höre mit vorliebe Britische und Skandinavische Bands. Aber auch Deutsche. Und diese einen Portugiesen, deren Name mir natürlich nicht einfällt. Ich fahre Ski in Österreich, esse Steaks in Ungarn, kraule im französischen Atlantik (Na gut: Brustschwimmen. Ich hab beim Bund den »Test der Schwimmfähigkeit« (heißt wirklich so) nur mühsam bestanden.). Ich habe in Brüssel für das Europäische Parlament gearbeitet. Und fühlte mich überall zu Hause.

Ich habe ein Jahr in den USA gelebt, bin durch China und Marokko gereist. Und fand alles super. Aber: Es war fremd, anders — auch wenn dafür natürlich jegliche Definition fehlt.

Und (jetzt wende ich mich schon wieder von dem persönlichen ab, schließlich bin ich ja Politphilosoph): Ich bin nicht alleine. Zwei meiner besten Freunde haben zwei Staatsbürgerschaften. Andere arbeiten in England oder der Schweiz. Für uns alle ist die Frage nach den europäischen Grenzen absurd: Wir überqueren sie und müssen uns nur noch gedanken machen, wenn man wirklich noch eine andere Währung braucht. Ob nun Sardinien oder Salamanca, Luxemburg oder Lettland — die Unterschiede sind nicht größer als zwischen Bremen und Berlin, Mannheim und München.

Viele Menschen haben Angst vor der EU: Sie sehen diesen Wirtschaftskoloss namens Globalisierung und glauben, davon erdrückt zu werden. Sie sehen Polen, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Sie sehen Spargelstecher und ein Parlament, das alle vier Wochen die Stadt wechselt. Sie sehen Verordnungen über den Krummheitsgrad von Bananen, haben die (berechtigte) Angst, in ihrer Stammkneipe bald nicht mehr rauchen zu können. Und sehen nicht, wenn ich mit einer Polin am Tisch sitze, Wein oder Bier oder Vodka trinke und wir nicht darüber nachdenken, dass mein Großvater ihren Großvater getötet haben könnte. Vor 60 Jahren. Früher wurden über längere Zeiten Krieg geführt, heute reise ich ohne Pass durch ein Gebiet, dass dem römischen Reich nahekommt.

Liebe EU, herzlichen Glückwunsch zum Fünfzigsten. Wachse, verleibe ein, was zu Dir passt und Deine Werte vertritt. Hör nicht auf, weil wir Dich einmal kritisieren. Gedeihe, zeige Dich von Deiner schönsten Seite, so dass Dich alle Menschen dieser Welt verstehen und sagen: Ich bin Europäer.

Such is life.

Monday, October 30th, 2006

Dieses Jahr, es hat es in sich. Zu viel Achterbahn für meinen Geschmack, wobei das ja auch das Leben ausmacht.

Aber auf alle Fälle zu viel Besuche bei Archiatrosen und Confectionariis. Notaufnahme, Magendoc, Orthopäde, Neurologe, Chirurg und natürlich die werte Frau Hausärztin: Ich hab Euch alle viel zu häufig gesehen. Gerade in letzter Zeit.

Interessieren Euch nicht, meine Wehwehchen? Dann jetzt bitte weghören: Gastroskopie mit Ergebnis Reflux durch eine Hernie (Typ: C). Commotio Cerebri inklusive Hämatom. Microtraumatae an der Tibialis-Posterior-Sehne. Noch zwei Acute Viral Nasopharyngitis dazu. Essentieller Tremor. Digitus-Inflammatio. Und zwei Desmorrhexiae.

Ich hätte dann damit meinen Teil »Wahrung der Doktorenbesitzstände« für die nächsten zwei Jahre erfüllt, jetzt ist wer anderes dran.

Bittedanke.

N. K.

Thursday, September 7th, 2006

Nehmen wir einmal an, wir kennen uns selbst. Wir wissen, dass wir die Bild-»Zeitung« hassen, ihre Methoden verabscheuen und nichts tun, um sie zu unterstützen. Auch ist uns die Klatsch-Mentalität vieler anderer Revolverblätter zutiefst zuwider, auch wenn wir doch die ein oder andere Freundin haben, die (nur beim Frisör) die Bunte liest.

Nehmen wir weiter an, es gäbe da einen Menschen, der seine Lebensjahre elf bis achtzehn größtenteils in einem Verließ unter einer Garage zugebracht. Wir können uns vorstellen (und zugleich nicht), was für Qualen, Zweifel, Hass, Abgründe (you name it) dieser Mensch durchgemacht haben muss. Wir wissen, er ist jetzt befreit worden — befreit zwar aus dem Keller, aber noch lange nicht aus den Klammern, die eine solche Geschichte um den Geist legt.

Setzten wir diese beiden, simplen Annahmen zusammen und wir wissen, was zu tun ist. Nicht.

Da sitze ich gestern mit Freunden zusammen, um das EM-Qualifakationsspiel gegen San Marino zu betrachten, und in der Halbzeitpause wird selbstverständlich auf das Interview gezappt. Ix schreibt drüber, Heiko schreibt drüber, alle schreiben drüber.

Und ich schreibe ja jetzt auch drüber.

Und in gewissen Rahmen kann ich das ja auch gut nachvollziehen: Diese Geschichte ist an sich schon so unbegreiflich, dass es nach jeder Information lechzt, die man kriegen kann. Wieso nie geflohen? Wie kann die Polizei…? Kann sich so jemand…? Was wird aus…? Wird sie je…?

Auch die Presse assistiert, haben wir doch ein Recht darauf, zu efahren, was wirklich geschehen ist.

Nein. Und nein. Was wir wirklich haben sollten, ist Anstand. Den Anstand, aus einem an ihr begangenem Verbrechen nicht ihre Pflicht abzuleiten, nun auch uns zu informieren. Den Anstand, sie in Ruhe ein einigermaßen würdevolles Leben zu bekommen, was trotz vermutlicher Millionenbeträge, die für Interviews, Fotos und Filmrechte den Besitzer wechseln werden, sehr schwer werden wird. Nicht nur hat sie acht Jahre lang keinen Sternenhimmel gesehen, sondern wird auf Jahre hinaus noch in Zeitung, Funk und Fernsehen ihren Namen lesen. Gönnen wir ihr unseren Anstand, so dass der Zeitraum, in dem dies der Fall sein wird, möglichst klein sein wird.

Unmöglichkeit, die

Saturday, August 5th, 2006

Krankenhaus hier, Darmproblematikä drüben, kaum zum Aushalten. Aber alles wieder gut. Und deshalb eine kleine Liste:

  • München
  • Wien
  • Bratislava
  • Budapest
  • Zagreb
  • Istrien
  • Ljubljana

Dazu nehmen man sich eine Karte, verbinde die genannten Orte mit weiß-schwarz-gestrichelten Linien und schon hat man eine lustige Zugtour um den Monatswechsel. Ick freu mir!