Du nennst das Pathos und ich nenn das Leben October 30th, 2008 Uncategorized Kommentare (RSS) Trackback

Soeben habe ich eine halbe Stunde meines Lebens damit verbracht, mir Werbung anzukucken. Werbung für etwas, das ich noch nicht einmal kaufen kann. Der nächste Amerikanische Präsident war dort zu sehen, und natürlich war es eine Holywood-reife Produktion (vom Regisseur von An Inconvenient Truth), die man sich nur leisten kann, wenn — wenn man es sich leisten kann. Fünf Millionen Dollar, so wird gemunkelt, hat es gekostet, in die amerikanischen Wohnzimmer zu gelangen und meinen Gasteltern in West Virginia, die das perfekte Abbild von Swing Votern sind, zu erklären, warum sie nichts — oder besser: nur gutes — von einem schwarzen Präsidenten zu befürchten haben.

Und so sehr ich gewisse Positionen des Kandidaten Barack Obama ablehne, so sehr diese Positionen, etwa zu Waffenbesitz, Todesstrafe oder Religion, einen Kandidaten in Deutschland für mich unwählbar machen würden, muss ich mich in die breite Masse derer einreihen, die ihn bewundern.

Pomp, Pathos und große Reden vor jubelnden Massen, in der deutschen Politik genauso undenkbar wie Spenden in Höhe von 700 Millionen Dollar, sind Dinge, die wir in Deutschland schon mal hatten, und wir sind damit, nun ja, suboptimal gefahren. Aber vielleicht brauchen wir ein bisschen mehr davon. Ein bisschen weniger politisches Geklüngel, Ämtervergabe nach Parteibuch und Aufstieg nach klarer Ordnung (Jugendorganisation, Ortratmandat, Mitarbeit bei Landtagsabgeordneten, Mitarbeit im MdB-Büro, Landtagsabgeordnete, MdB… Und dazwischen noch ein paar Verwaltungsstationen). Ein bisschen mehr Engagement, und das nicht zeitlich, sondern mit Herz.

Denn wenn einen wie mich eine Wahlwerbesendung den Wasserhaushalt des Auges zumindest leicht aus dem Gleichgewicht treibt, dann ist das einerseits natürlich kalkuliert — andererseits aber auch großartig. Wenn tausende junge Amerikaner sich engagieren, dafür werben, dass man zur Wahl geht, dann schreit es in mir: »Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein«. Und wenn dann da jemand da ist, auf den man sich verlassen kann…

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