Im Norden ist der Süden am schönsten November 3rd, 2008 Uncategorized Kein Kommentar

Der rote Mann leuchtet, die Menschen bleiben stehen. Natürlich bleiben sie stehen, denn: der rote Mann steht ja auch. Auch wenn es doch eine kleinere Seitenstraße ist, aus der um diese Zeit normalerweise keinerlei Fahrzeug erscheint, so wie auch jetzt nicht. Ich bin in München, Hauptstadt der Bayern, und hier wartet man an roten Ampeln. Hier haben Kneipen Türsteher (1. !), die Leute, die auf dem Weg dorthin eine Bierflasche (fast) leertranken, nicht reinlassen wollen (2. !), dann aber nach einiger Überzeugungsarbeit (3. !) und dem Nichtaustrinken des letzten Restes (Norgerl, 4. & 5. !) Einlass gewähren in eine halbleere, von Außen komplett einsehbare Einraumkneipe mit Tanzfläche, in der man heute aber sich nur äußerst langsam bewegen darf, denn es herrscht rigides Tanzverbot (6. !). Natürlich habe ich mich über alle diese Dinge lustig gemacht, wie man sich eben als echter Norddeutscher über Dinge wie Polizeipräsenz, große Autos, teure Biere oder Sperrstunden lustig macht — oder machen muss. Aber: Aber.

Die Isar ist schon schön. Im November in einem Biergarten zu sitzen: Ebenso. Da geht man durch die Innenstadt, und diese ist, selbst für mich Dresdner, durchaus einiger Blicke wert. Selbst an strengen Feiertagen findet man Läden, wo man — natürlich bei geschlossener Gesellschaft — durchfeiern könnte. 3,20 für ein Bier im Club gehen eigentlich auch, wenn man nicht grade Dresdner Preise anlegt. Und auf einer Isarbrücke um halb sechs mit einer guten Freundin in den Armen zu liegen und über die großen Dinge zu reden. An dieser Isarbrücke auch um diese Uhrzeit noch ein Bier kaufen zu können. Sich mit einer anderen Freundin wegen gewisser Dinge anzufrotzeln, na gut: zu streiten, um sich danach (man ahnt, ein Muster zu erkennen) in den Armen zu liegen. Mit seinen besten Freunden (auch, wenn einige fehlten) seit langem mal wieder ein Fest zu feiern. Durch den englischen Garten zu laufen, und dabei aufzufallen wie (gefühlte) Paradiesvögel, und nicht zu wissen, warum. Vielleicht, weil man sich doch etwas zu laut gefragt hat, ob die da vorne »schon wieder von Analsex reden«.

Home is where your heart is. Ein Teil meines Herzens jedenfalls befindet sich zur Zeit im eigentlich so gehassten München, und damit kann ich ganz gut leben.

Du nennst das Pathos und ich nenn das Leben October 30th, 2008 Uncategorized Kein Kommentar

Soeben habe ich eine halbe Stunde meines Lebens damit verbracht, mir Werbung anzukucken. Werbung für etwas, das ich noch nicht einmal kaufen kann. Der nächste Amerikanische Präsident war dort zu sehen, und natürlich war es eine Holywood-reife Produktion (vom Regisseur von An Inconvenient Truth), die man sich nur leisten kann, wenn — wenn man es sich leisten kann. Fünf Millionen Dollar, so wird gemunkelt, hat es gekostet, in die amerikanischen Wohnzimmer zu gelangen und meinen Gasteltern in West Virginia, die das perfekte Abbild von Swing Votern sind, zu erklären, warum sie nichts — oder besser: nur gutes — von einem schwarzen Präsidenten zu befürchten haben.

Und so sehr ich gewisse Positionen des Kandidaten Barack Obama ablehne, so sehr diese Positionen, etwa zu Waffenbesitz, Todesstrafe oder Religion, einen Kandidaten in Deutschland für mich unwählbar machen würden, muss ich mich in die breite Masse derer einreihen, die ihn bewundern.

Pomp, Pathos und große Reden vor jubelnden Massen, in der deutschen Politik genauso undenkbar wie Spenden in Höhe von 700 Millionen Dollar, sind Dinge, die wir in Deutschland schon mal hatten, und wir sind damit, nun ja, suboptimal gefahren. Aber vielleicht brauchen wir ein bisschen mehr davon. Ein bisschen weniger politisches Geklüngel, Ämtervergabe nach Parteibuch und Aufstieg nach klarer Ordnung (Jugendorganisation, Ortratmandat, Mitarbeit bei Landtagsabgeordneten, Mitarbeit im MdB-Büro, Landtagsabgeordnete, MdB… Und dazwischen noch ein paar Verwaltungsstationen). Ein bisschen mehr Engagement, und das nicht zeitlich, sondern mit Herz.

Denn wenn einen wie mich eine Wahlwerbesendung den Wasserhaushalt des Auges zumindest leicht aus dem Gleichgewicht treibt, dann ist das einerseits natürlich kalkuliert — andererseits aber auch großartig. Wenn tausende junge Amerikaner sich engagieren, dafür werben, dass man zur Wahl geht, dann schreit es in mir: »Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein«. Und wenn dann da jemand da ist, auf den man sich verlassen kann…

Menschlich? October 17th, 2008 Uncategorized Kein Kommentar

Wüste? Check.
Adler? Check.
Federn auf der Schulter? Check.
Helikopterflüge? Check.
Teure Lichttechnik in der Wüstensonne? Check.

(via Nicorola)

Kollektives Vergessen October 16th, 2008 Uncategorized Kein Kommentar

Ich bin gerade beim Ego Statistikenbetrachten auf einen sehr alten Eintrag (noch nicht mal hier im Blog — irgendwo “anders”, wo ich noch selbst »in« HTML-Seiten geschrieben habe) gestoßen. Es ist schon komisch: Vor sechs Jahren hatte man die gleichen Themen, die gleichen Inhalte — das gleiche, was einen bewegt. Aber: Man ist ja schließlich der gleiche Mensch geblieben, denkt gleich, fühlt gleich. Irgendwann wurden mal die Schienen gelegt… Oder?

Nein. Man ist doch durchaus ein anderer Mensch. Man (as in »ich«) würde sich heutzutage nicht mehr so ausdrücken. Man hört andere Musik. Man würde sich anders verhalten. Und: Man würde es ganz anders — und weniger privat — ins Netz schreiben. Einige andere Menschen sehen das übrigens sehr ähnlich.

Deshalb habe ich kurz (siehe Überschrift) darüber nachgedacht, gewisse Seiten für immer aus dem Netz zu entfernen. Und es dann doch nicht getan. Auf das irgend ein Personaler über meine innersten Gedanken stolpert, die ich mit 20 Jahren hatte!

Allein, Allein October 15th, 2008 Musik Kein Kommentar

Ich lebe in Dresden. Es ist also kein Wunder, wenn Lieder von Robert and the Roboters, Vanda oder eben Polarkreis 18 gewünscht werden, wenn man eine Tanzfläche beschallt. Die neue Hymne aus letzterem Hause jedoch wurde durchaus häufiger gewünscht. Und mir von Nicht-Subkultur-Freunden per Instant Message geschickt, die nicht aus Dresden kommen. Als ich das Video das erste Mal sah (von einem guten Freund zugeschickt) einigten wir uns sehr schnell auf sehr guten Pop, um das ganze zu beschreiben. Und, tatsächlich: Top 10. Auch wenn ich ein wenig sauer bin, dass ich mir heute Abend das Umsonstreleasekonzert in der Scheune nicht ankucken darf, weil doch tatsächlich zu viele hinwollen: Glückwunsch.

Polarkreis 18: Allein Allein (Und Major-Labels, embedden ist nicht böse!)

Ey, Finanzkrise! October 14th, 2008 Uncategorized 3 Kommentare

Das den Bänkern jetzt mal gezeigt wird, dass sie nicht nicht nur mit Spielgeld hantieren, ist ja eigentlich ganz OK. Aber dass ich jetzt darunter zu Leiden habe weil jetzt erstmal keine neuen Möbel — geschweige denn Mitarbeiter — gekauft werden, das nervt schon etwas.

Zurück. October 13th, 2008 Leben Kein Kommentar

Ich weiß ja nicht, wer dies überhaupt per Feed liest (andere werden sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf diese Seiten verirrt haben), aber es muss auch mal gesagt werden: Das Leben meint es gerade gut mit mir. Nicht in allen Belangen und Nuancen, die es zu bieten hat, aber ohne das Bittere wäre das Süße bekanntlich ja nicht so süß.

Um das ganze nicht in Romanform ausarten zu lassen wie die letzten drei Anläufe dieses Posts: Hier wird in nächster Zeit durchaus wieder häufiger etwas stehen. Und drückt mir für morgen früh bitte die Daumen.

Lost In Translation January 12th, 2008 Leben Kein Kommentar

Nochpräsident Bush bei einer Rede zu Soldaten, irgendwo in Nahost:

You’re looking good. Looks like you haven’t missed a meal…

Nun, das kann man durchaus zynisch finden angesichts der Zahl an Militärs, die in Blechkisten zurückkehren. Oder man kann es so übersetzen, wie es der Deutschlandfunk soeben tat:

Sie sehen gut aus. Sie haben wohl die Post verpasst?

Übersetzer werden wohl auch immer teurer.

Danke. Für die großartige Zeit. January 11th, 2008 Netzleben 1 Kommentar

Liebes tug,

es war schön mit Dir. Ich könnte jetzt über viele Momente reden, die ich mit Dir hatte, die Musik, die ich mit Dir teilte, die Verzweiflung, die ich durchaus des öfteren bei Dir auslassen durfte. Ich habe, nicht nur, aber auch, durch Dich fabelhafte Menschen kennengelernt. Menschen, die ähnlich kaputt und deswegen ähnlich toll sind wie ich. Menschen, mit denen ich Unmengen an Vodka trank. Menschen, mit denen ich Pizza aß. Und eines der tollsten Konzerte ever hörte. Menschen, die ich küsste. Menschen, die mir auch in der Ferne durchaus häufig nahe waren. Und auch die Menschen, die ich nicht küsste, mit denen ich keine Pizza aß und keinen Vodka trank. Die ich nur laß, und in dieser Trunkenheit — undb genau! — Denn darum ging es ja eigentlich, und deshalb war es jenes »genau«, das es so genau traf, worum es eigentlich ging.

Jedenfalls war heute wieder einer jener Abende, an denen man nach Hause kommt und eigentlich weiß, dass man das tuggen muss. Da sind Weisheiten, die ausgesprochen werden von den gar nicht Weisen, da gibt es diese tolle Frau, wie es sie immer gibt in den getuggten Geschichten, und da gibt es dieses große Ganze, die Freundschaften und all den Scheiß, der eigentlich erst zeigt, wer man ist, wo man hingeht und herkommt und sonstwas. Eigentlich auch egal, Hauptsache tuggbar.

Stefan, hey, kein Vorwurf, Du/Ihr habt tug zu dem gemacht, was es war, ein Tummelplatz voller Exzentriker des Webs, von großen Bekannten über die kleinen Verzweifelten bis zu den mittelgroßen Nervenden. Und wenn Du/Ihr sagt, dass Schluss ist, dann respektieren wir das, auch wenn wir natürlich sagen müssen, dass uns selten was mehr berührte als die Schließung von tug. Wenn wir nicht grade über ein Post eingeschlafen sind. Danke für den Fisch, und wir werden uns lesen, egal wo.

Universitätskoller November 13th, 2007 Leben 1 Kommentar

Gerade eben wurde ich bei der Frage nach dem Stuhl neben mir gesiezt — in der Unibibliothek. Von einem Studenten der unteren Semester, der Menschen wie mich (zweistellige Semesteranzahl) wohl schon für sexuell inaktiv, mindestens aber einen Dozenten hält. Heute mittag erklärte ich zwei überaus netten Studentinnen, wie denn die Aufladung der kreativ-lustig “E-Meal” genannten bargeldlosen Bezahleinheiten unserer Mensen funktionieren, und — natürlich — ich wurde gesiezt, was ich selbstverständlich auf die leicht französisch klingende Aussprache (und die darauf begründende Annahme der Herkunft) der Sprecherin zurückführe.

Ich gehe nicht mehr auf Unifeiern, finde die morgendliche Enge im Bus so schlimm, dass ich wahlweise eine halbe Stunde bei meinem Zeitplan abziehe oder hinzufüge, um einen Sitzplatz zu genießen, während der iPod die passende Begleitmusik für Regenwetter spielt. Morgens um sieben wanke ich nicht mehr aus der Kneipe, sondern gehe Laufen. Ich rede nicht laut in der Bibliothek, lerne nicht in der Cafeteria (um den älteren Semestern nicht die Kaffeetrinkplätze zu nehmen) und verspeise keine Nudelberge zum 1,48-Euro-Pauschalpreis, sondern wandere direkt zum asiatischen Lachsfilet, 2,45 Euro, Beilagen extra.

Dieses Prüfungsding könnte wirklich etwas schneller gehen.